“Inklusion – Gemeinsam anders” ein Film in der ARD

Gestern Abend lief in der ARD der Film Inklusion – Gemeinsam anders. ARD… das ist doch eine von den Sendern mit Bildungsauftrag, oder? Ja, genau das ist sie.  Und genau deshalb hatte ich gehofft, einen guten Film über das Thema Inklusion zu sehen. Mein Optimismus wurde bitter enttäuscht. Ich wüsste zu gerne, wie die “Vertreter aus dem Kreis der Menschen mit Behinderung” des Rundfunkrats zu diesem Film stehen.

Für mich fing der Ärger nämlich schon damit an, dass ich in den ersten Minuten schon merkte, dass die beiden Schüler mit Behinderung von nicht-behinderten Schauspielern dargestellt wurden. Das war wohl schon im Vorfeld bekannt, ich hatte mich jedoch nicht weiter über den Film informiert, da ich ihn ohne Erwartungen oder Vorurteile ansehen wollte. Für mich ist es immer wieder unverständlich, warum man in Filmen oder Serien keine echten Menschen mit Behinderung vor die Kamera stellt, ich bin mir sicher, dass es unter ihnen schauspielerische Talente gibt. In einem Interview habe ich gelesen, dass ein entsprechendes Casting zu teuer gewesen wäre und zu viel Zeit in Anspruch genommen hätte. Nun, ich denke, wenn man häufiger Schauspieler mit Behinderung einsetzen würde, hätte man eine gut geführte Kartei, in der man schnell und ohne großen Mehraufwand passende Personen für einen Film finden würde, es müsste nur mal jemand anfangen.

Leider konnte der Film für mich auch inhaltlich dieses Manko nicht wett machen. Die Rollstuhlfahrerin Steffi wurde durch und durch unsympathisch gezeichnet und bediente viele Vorurteile. Sie war natürlich total frustriert von ihrer Behinderung und hat diesen Frust an ihrer gesamten Umgebung ausgelassen. Nachdem sie dann ihren Lehrer überredet, mit ihr Physiotherapie zu machen, freundet sie sich mit den Mitschülern an. Den Moment, wo sie ihre Wesensänderung durchmacht, habe ich irgendwie verpasst, ich habe nicht verstanden, warum die Mitschüler dieser Zicke noch eine Chance geben, wo ihre Bemühungen, sich mit Steffi anzufreunden, vorher immer im Keim erstickt wurden. Über die Darstellung ihrer Spastik kann ich nicht viel sagen, nur dass sie am Ende der Schulaufführung mal eben aufstehen konnte, war reichlich unrealistisch. Auch der geistigbehinderte Paul wurde mit Klischees beladen. Eigentlich ist er ein sehr sympathischer, sozialer Junge, aber wenn er gereizt wird, reagiert er schnell mit Brutalität. Seine Mutter benutzt ihn als Haushaltshilfe, während sie sich, unter dem Vorwand immer zu zur Arbeit zu müssen, mit ihrem Lover trifft.

Über die Inklusion hat dieser Film in meinen Augen ein ziemlich schlechtes Bild vermittelt. Die positiven Auswirkungen, die Inklusion auf die Schüler und somit auf die Gesellschaft haben kann, wurden fast gar nicht heraus gearbeitet. Stattdessen wurde ein Problem nach dem anderen thematisiert. Natürlich stimmt es, dass man Inklusion nicht mit der Brechstange von heute auf morgen umsetzen kann und ganz sicher wird Inklusion einen Haufen Geld kosten, allein schon, um die Schulen barrierefrei auszubauen. Das sollte aber doch kein Grund sein, sie für nahezu unmöglich zu erklären wie ich es bei diesem Film wahrgenommen habe. Ich denke, dieser Einsatz würde sich langfristig aufwiegen, denn wenn Menschen mit Behinderung erstmal in den Regelschulen angekommen sind und so Berührungsängsten und Vorurteilen schon im Kindesalter entgegen gewirkt wird, ist der Schritt auf den Arbeitsmarkt nicht mehr ganz so weit, womit dann wiederum mehr Steuerzahler da wären, um die Kosten für gelungene Inklusion aufzufangen.

“Ziemlich beste Freunde” von Philippe Pozzo di Borgo

Nachdem ich den Film Ziemlich beste Freunde gesehen hatte, freute ich mich sehr, dass ich bei LOVELYBOOKS an der Leserunde teilnehmen durfte und das Buch gewonnen habe. Schon nach den ersten Kapitel fragte ich mich allerdings, wie aus so einem schweren, bedrückenden Buch ein so unbeschwerter, lebensfroher Film werden konnte. Bis zu letzt habe ich noch darauf gewartet, dass etwas von der Fröhlichkeit des Films im Buch auftaucht, ich wartete vergeblich.

Vielleicht hätte ich das Buch anders wahrgenommen, wenn ich den Film nicht gekannt hätte, allerdings wäre das immer noch kein Buch, dass mir sonderlich gefallen würde. Zum einen ist da der Erzählstil, der mir nicht zusagt. Es gibt sehr viele Zeit- oder Gedankensprünge, denen ich manchmal nicht sofort folgen konnte und die die ganze Erzählung ziemlich verworren machten. Mein größtes Problem hatte ich jedoch damit, dass Philippe fast die ganze Zeit erzählt, wie sehr er leidet und wie schlimm doch alles ist. Ja, er hat durchaus ein sehr schweres Paket zu tragen, nicht nur mit seiner eigenen Krankheitsgeschichte, sondern besonders auch mit der Krankheit seiner Frau. Wahrscheinlich nehme ich die ganze Geschichte auch aus meiner Situation heraus, dass ich selbst im Rollstuhl sitze und viel personelle Hilfe brauche, auch ganz anders war, als der Leser ohne Behinderung, ich weiß es nicht.

Für mich persönlich ist ein Leben mit Behinderung jedenfalls nicht so schwarz, wie es in diesem Buch vermittelt wird, sonders es kann – und sollte! – sehr bunt und lebhaft sein.

War Horse kommt ins Theater des Westens

Und der Aufschrei in der Musical-Community ist groß. Eigentlich ist das eine ganz typische Reaktion auf die Bekanntgabe von Nachfolgestücken bei Stage Entertainment. Rotiert ein Stück zum 500. mal durch die deutschen Theater, schreien alle “Wie langweilig, gebt uns was neues!”. Nun kommt mit War Horse etwas völlig neues und alle fordern “Lasst die Vampire in Berlin” oder “Rotiert Stück XY ins TdW!”. Natürlich ist klar, dass kein Stück das Interesse und den Geschmack von jedem treffen kann. Ich habe auch kein Problem damit, dass jemand sagt, dass ein Stück nicht den eigenen Geschmack trifft, aber das uninformierte Vorverurteilen von neuen Stücken ärgert mich zu tiefst. Wo kämen wir denn hin, wenn keine neuen Stücke ausprobiert werden? Wenn in jedem Theater jahrzehntelang das gleiche läuft? Leute, das wäre dann doch wohl wirklich dramatisch!

Und ganz ehrlich, wenn ich etwas lese wie “Das ist ja gar kein Musical”, frage ich mich, sind wir denn wirklich schon so festgefahren in unserem Genre, dass wir ein reines Sprechtheater direkt abschreiben? Davon ab, es mag kein “richtiges” Musical sein, dennoch gibt es eine CD mit 23 Tracks, von denen auch welche gesungen werden. Ich habe eben die Hörproben durchgeklickt und fand die Musik sehr ansprechend und schön atmosphärisch. Überhaupt habe ich mich jetzt auch auf der Homepage informiert und ein paar Videos angesehen und ich muss sagen, je mehr ich mich informiere, desto interessanter finde ich War Horse. Pferde sind absolut nicht meine Tiere, aber die Puppen finde ich ziemlich genial gemacht und sehr faszinierend. Ich bin sehr gespannt, wie sich dieses Stück in Berlin schlagen wird und welche Reaktionen dann nach der Premiere überall zu lesen sind.

Also atmet einfach alle mal durch, gewöhnt euch an den Gedanken, dass die Vampire vorerst ihre Gruften abbauen und beobachtet die neuen Entwicklungen in den großen Theatern. Vielleicht kommt das nächste Lieblingsstück ja schneller als ihr denkt!

Dazu auch sehr lesenswert: La Blog aux Folles

Linie 1 – 10.03.2012, Filou Beckum

Nach gut zweieinhalb Monaten war ich also ein zweites mal im Filou. Ich kann gar nicht glauben, dass es so lange gedauert hat, bis ich die wundervollen Theaterproduktionen in meinem Geburtstädtchen entdeckt habe. Jedem, der in der Nähe wohnt, kann ich dieses Theater nur ans Herz legen, ich wurde bei beiden Besuchen ganz und gar überzeugt.

Dieses mal standen Beckums Jugendlichen als Stars im Mittelpunkt und entführten mit der U-Bahn Linie 1 ins Berlin der 80er Jahre. Die ersten Minuten fiel es mir noch ein bisschen schwer, aber dann bin ich doch noch recht schnell mit dem Stück warm geworden und kann nun sagen, dass es ein sehenswertes Musical ist. Die Musik ist zu einem großen Teil sehr eingängig und hat mir den ein oder anderen Ohrwurm eingepflanzt und auch die einzelnen Charaktere sind sehr interessante Persönlichkeiten, deren Erlebnisse ich gerne mitverfolgt habe. Sehr gut gefallen haben mir auch die “Multifunktionswürfel”, die mal als Bahnsteigwand, dann als U-Bahn-Sitz und sogar als Imbiss-Bude dienten. Ich liebe solche einfallsreichen Kulissen/Requisiten total, aber ich hatte ja schon bei Mary Poppins gemerkt, dass man im Filou sehr kreativ mit solchen Dingen ist.

Die jugendlichen Darsteller konnten vorallem durch ihre Spielfreude überzeugen. Es wirkt einfach ansteckend, wenn man merkt, dass die Leute auf der Bühne Spaß haben, dann macht das Zusehen gleich doppelt so viel Freude. Natürlich hat nicht bei jedem jeder Ton gesessen, aber bei so viel toller Energie verzeihe ich das gerne und außerdem war das Niveau für eine Amateurproduktion mit Jugendlichen sehr hoch (da habe ich selbst bei Profis schon mal schiefere Töne gehört…). Ich werde nicht auf alle 15 weiblichen und die 3 männlichen Akteure einzeln  eingehen, das würde zum einen den Rahmen sprengen und zum anderen habe ich eh den Überblick ein wenig verloren, da die meisten mehrere Rollen verkörperten. Erwähnen möchte ich aber diejenigen, die mir auch im Nachhinein noch positiv im Gedächtnis sind. Kenan Mehovic hat mich vor allem mit seiner Power überzeugt, er strahlte eine Souveränität aus, als sei er nur für die Bühne geboren worden. Ähnlich strahlend wirkte auch Merle von der Gentschenfelde, die so meinen Blick immer wieder gefangen hat. Beim Solo von Carina Brinkhaus hat leider die Technik versagt. Viel konnte man von ihrem Lied leider nicht hören, aber was man hören konnte, klang richtig gut und es ist sehr beachtlich, dass sie trotz der Technikpanne ganz normal durchgezogen hat. Und da fehlt jetzt zu guter letzt noch Rica Struckmann, die der Grund für diesen Besuch im Filou war. Eigentlich wollte ich ja besonders auf sie achten, aber in manchen Rollen habe ich sie erst beim zweiten, dritten Hinsehen gefunden. Das spricht wohl dafür, dass sie sehr wandelbar ist. Ich habe mich sehr gefreut, mal etwas mehr von ihrer Singstimme zu hören, die gefällt mir nämlich unheimlich gut.

Schade, dass es nur so wenig Vorstellungen der Linie 1 gab, ich hätte es mir gerne nochmal angesehen. Jetzt hoffe ich einfach, dass der und die ein oder andere bei einem neuen Stück im Filou wiederzusehen ist. Dann komme ich bestimmt mal wieder vorbei.

Grease Tour 2012 – Köln

Nachdem ich Grease nun viermal in Köln gesehen habe, möchte ich doch noch ein wenig zusammenfassend über die Besuche und meine Eindrücke schreiben.

Die Premiere am 26.01. wurde durch eine Überraschung zur perfekten Show der diesjährigen Tour. Michael Heller übernahm noch einmal die Rolle des Doody und spielte ihn so süß und perfekt wie eh und je. Auch die anderen “alten Hasen” Lars Redlich als Danny, Omri Schein als Eugene und Jasmin Mauter als Patty konnten an ihre tollen Leistungen der vergangenen Tour anknüpfen. Lars hat noch ein paar Kleinigkeiten und Witze eingebaut, die seinem Danny etwas mehr Farbe geben. Omri wirkt noch überdrehter als im letzten Jahr, aber das ist toll so. Überrascht hat mich Denise Obedeka als Rizzo. Ich kannte sie nur als Inez von Hairspray, was nicht nur eine ganz andere Rolle ist, sondern wo ich sie auch nie so überragend gut fand. Ihre Rizzo aber hat mich besonders vom Gesang her beeindruckt. Wo auch immer diese Stimme plötzlich herkommt, sie soll sie behalten. Meine Entdeckung des Premierenabends war aber Tim Edwards als Roger. Er hält bei Mooning einen hohen Ton unglaublich lange und damit hat er mich gepackt, aber auch wie er spielt, ist super. Ich liebe die Stelle, wo er sich vor Lachen am Boden kugelt, aber auch jedes mal, wenn Jan in umschubbst und, ach, überhaupt alles.

In der zweiten und dritten Show, 10./11.02., gab es dann einen anderen Danny und Kennickie, womit ich bei einer weiteren Neuentdeckung dieser Tour bin. Stefan Rüh, welcher den Kennickie spielt und ein Cover auf Danny hat. Bei der Premiere als Kennickie hat er mir schon sehr gut gefallen, aber der Funke war noch nicht ganz übergesprungen. Als er dann an besagtem Wochenende als Danny auf der Bühne stand, änderte sich das schlagartig. Mit ihm habe ich nochmal einen ganz anderen Danny gesehen, was total spannend war. Er macht verschiedene kleine Dinge, die ihn von den anderen Dannys unterscheiden, und es hat einfach Spaß gemacht, diese zu entdecken. Da Stefan als Danny auf der Bühne stand, übernahm Adam Floyd den Kennickie. Dieses Jahr darf das Kennickie-Cover tatsächlich selbst Greased Lightning singen, es geschehen noch Wunder. Und gerockt hat er das Ding, leider ist er mit der deutschen Aussprache deutlich überfordert, aber, das muss man echt hervorheben, sein Spiel hat unter der Sprachbarriere eigentlich nicht gelitten.

Am 18.02. hieß es dann ein letztes Mal Grease is the word und es war Zeit, vom Musical Dome Abschied zu nehmen. Die Show hat mir diesen letzten Abend in meinem zweiten Zuhause auf jeden Fall versüßt und den Abschied leichter gemacht. Dennoch vermisse ich schon jetzt die Zeiten und Begegnungen im und am Musical Dome, die mir in den vergangenen Jahren sehr wichtig geworden sind und mir viele schöne Momente bereitet haben. Die Besetzung für die letzte Show war bis auf Doody und ein paar Ensemble-Leuten ähnlich zur Premiere. An diesem Abend ist mir erneut aufgefallen, wie sehr mich das Zusammenspiel von Lars und Stefan begeistert. Man merkt bei den beiden, dass die sich auch hinter der Bühne gut verstehen und auf einer Welle liegen.

Ich hatte bei der diesjährigen Tour jedes mal eine schöne Show, wenn auch das Niveau der vergangenen Tour nicht gehalten werden konnte. Mir fehlen ein paar Gesichter der letzten Runde, allerdings würde ich auch ein paar Entdeckungen dieser Tour nicht mehr abgeben wollen. Perfekt wäre wohl nur eine Mischung beider Besetzungen.

King Kong – Das Musical – 04.02.2012, KATiELLi Datteln

Als ich das erste Mal gehört habe, dass King Kong das nächste Musical im KATiELLi Theater wird, dachte ich als erstes: “King Kong??? Wer will das denn sehen…?” und war ziemlich skeptisch. Aber ich habe ein sehr großes Vertrauen in die Spielplangestaltung des KATiELLi, weshalb ich meine Bedenken schnell beiseite legen konnte. Außerdem probiere ich ja gerne Neues aus und habe Spaß an Entdeckungsreisen in der großen, weiten Musicalwelt. So dauerte es von diesem ersten Moment bis zur Kartenbuchung gar nicht lange. Dennoch blieb bis zuletzt von der anfänglichen Skepsis ein kleiner Teil über, da ich nichts über das Stück wusste und auch die Geschichte nur grob kannte. Wenn ich erzählte, dass ich demnächst King Kong als Musical sehen würde, sagte ich immer: “Ich weiß nur, dass es ein Drei-Personen-Stück ist und niemand den Affen spielt.”

Jetzt habe ich also King Kong gesehen und bin um einiges schlauer. Denn King Kong funktioniert nicht nur als Musical (sogar ohne singenden Affen), sondern passt auch noch auf so eine kleine Bühne. Wenn man es nämlich geschickt umsetzt, sind auch einer kleinen Bühne keine Grenzen gesetzt und damit meine ich gar nicht, dass teilweise auch im Gang gespielt wurde, sondern dass mit kleinen Mitteln die verschiedensten Dinge auf die Bühne gezaubert wurden. Wie hieß es gestern Abend so schön? “Da dreht man die Kiste um und hat das Empire State Building.” Natürlich erfordert das ein gewisses Vertrauen in die Fantasie der Zuschauer, aber man muss die Leute ja auch nicht dümmer machen als sie sind. Ich freue mich immer, wenn mir noch etwas Eigenleistung abverlangt und nicht alles bis ins Detail vorgesetzt wird. Aber man kann es den Zuschauern natürlich etwas erleichtern, wenn man überzeugende Darsteller auf die Bühne stellt und auch das ist mal wieder gelungen.

So überzeugte also nicht nur Katharina Koch als Ann Darrow auf ganzer Linie. Sie macht eine Reise durch die Hochs und Tiefs menschlicher Emotionen und schaffte es durchweg in jeder Lage glaubhaft zu bleiben. Besonders bewundernswert fand ich, dass sie es geschafft hat, die Entwicklung zwischen Ann und Kong so wunderbar darzustellen, obwohl man Kong nie zur Gänze sieht und Interaktion von ihm auch beinahe nicht vorhanden ist. Auch Harald Tauber als Jack Driscoll geht durch eine Reihe an Gefühlen. Ist er zu Beginn noch ein kalter, abweisender Seemann, lässt ihn später die Entwicklung der Reise nicht mehr kalt und er schafft es sogar, die Liebe an sich heran zu lassen. Diese Wandlung war absolut nachvollziehbar gespielt und wirkte zu keiner Zeit aufgesetzt. Und zu guter letzt darf auch Bernd Julius Arends als Carl Denham nicht unerwähnt bleiben. Ich hätte nie gedacht, dass ihm eine – Verzeihung – Arschlochrolle so gut stehen könnte. Nun, da wurde ich eines besseren belehrt, denn er spielte wirklich sehr authentisch den ruhm- und geldgierigen Regisseur, der für seinen Erfolg auch über Leichen gehen würde.

Zum Abschluss kann ich also jedem nur ans Herz legen, dem Stück King Kong eine Chance zu geben und nach Datteln ins KATiELLi Theater zu fahren. Das Musical ist definitiv eine Überraschung, aber selbst wenn es nicht gefallen sollte, das Theater ist allein schon immer eine Reise wert. Also kauft euch Karten!

Kein Pardon – 03.01.2012, Düsseldorf

Ich könnte euch jetzt mit allerhand Wortwitzen erschlagen, aber das erspare ich euch, gut wie ich bin,  lieber mal…

Am Dienstag war ich im Düsseldorfer Capitol Theater und habe “Kein Pardon” angesehen. Da ich noch nicht so recht wusste, was ich hier darüber schreiben soll, habe ich gerade – natürlich nur zu Recherchezwecken – auch noch den Film geguckt, den ich bis dahin gar nicht kannte.

Musical und Film sind sich sehr ähnlich. Ich kenne mittlerweile einige Stoffe, von denen es sowohl einen Film als auch ein Musical gibt, aber mir fällt keiner ein, bei dem beide Versionen so nah bei einander liegen. Wer den Film mag, wird das Musical mögen und wer das Musical mag, wird wie nun ich auch den Film mögen. Die meisten Dialoge und Witze aus dem Film wurden mit auf die Bühne genommen, worüber sich Liebhaber des Films ganz sicher freuen, außerdem wurde kaum etwas heraus  gekürzt oder umgeschrieben. Auch die Charaktere wurden überwiegend dem Film  entsprechend umgesetzt.

Mit Thomas Hohler stand am Dienstag jemand als Peter Schlönzke auf der Bühne, der ein ganz anderer Typ ist als Hape (oder Enrico de Pieri, welcher diese Rolle als Erstbesetzung spielt). Wenn ich den Film schon gekannt hätte, wäre es für Thomas wahrscheinlich schwieriger gewesen, mich von Anfang an zu überzeugen, so jedoch hat er mich ab der ersten Sekunden mitgenommen und ich fand ihn einfach toll. Er hat viele verschiedene Facetten gezeigt und ich habe wohl noch nie ein so geniales “Biene Maya” gehört, naja, bis auf den Ton, den er daneben hauen muss. Ich bin froh, dass ich ihn jetzt schon als Peter gesehen habe, weil die Wahrscheinlichkeit auf Enrico höher ist und ich eh beide sehen wollte.
Im Regieteam saßen als Walter Tobias Bode, als Bertram Reinhard Brussmann und als Doris Susanna Panzner. Sie haben die Rollen nah am Film gespielt, bleiben jedoch in der Handlung mehr im Hintergrund und irgendwie blasser. Alle drei also eher nicht gerade dankbare Rollen, aber sie haben das beste daraus gemacht und waren super in dem, was sie zeigen durften. Im Gegensatz dazu durfte Heike Schmitz als Mama Schlönzke wirklich glänzen und war präsenter als die Mama im Film. Auch die Großeltern, Wolfgang Trepper und Verena Plangger, waren sehr lustig. Insgesamt eine liebenswerte Familie, die leider oftmals ziemlich peinlich auffällt.
Als Heinz Wäscher stand Gerhard Fehn auf der Bühne. Obwohl er richtig schön ekelhaft fies war, konnte ich später als er gefeuert wurde sogar ein wenig Mitleid für ihn aufbringen. Sehr gut gespielt und sogar noch etwas ekelhafter als im Film. Ein großer Teil der Komik kommt von Claudia Dilay Hauf als Käffchen-Karin. Sie war sehr quietschig und nervig, genau so wie es in dieser Rolle eben sein muss. Allerdings, auch wenn ich mich über das Lied für sie sehr gefreut habe, habe ich den Sinn von ihrem Käffchen-Song nicht verstanden. Alle anderen Lieder im Musical fand ich nachvollziehbarer. Sehr lustig war auch Julian Button in seinen Rollen, aber besonders als Warmupper. Er hat den ganzen Saal mitgerissen und zu fast allem animieren können.
Roberta Valentini spielt eine tolle Ulla. Sie darf mit zwei Songs die Bühne rocken, was sie phantastisch macht und was wirklich gut zu ihr passt. Der Charakter Ulla wurde im Vergleich zum Film am meisten verändert. Im Film ist Ulla eher eine alternative Esoterikerin, im Musical bedient sie mehr die Rockerin. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich die rockige Ulla als erste kennen gelernt habe, aber diese gefällt mir besser als die esoterische. Außerdem bleibt Ulla im Musical eine Nebenfigur und entwickelt eine kumpelhafte Beziehung zu Peter, aber auch das gefällt mir besser als die Entwicklung im Film.

“Kein Pardon” ist ganz klar ein Spaß-Musical, aber die mag ich ja meistens besonders gerne. So auch in diesem Fall. Es hat mir sehr gut gefallen und ich hatte viel Spaß. Ich freu mich schon auf das nächste Mal, das es ganz bestimmt geben wird, denn …

Witzigkeit kennt keine Grenzen!

Mary Poppins – 26.12.2011, Filou Beckum

Heute ging es mal wieder zu einer Laienproduktion. Solche Produktionen sind immer etwas ganz besonderes, da alle Beteiligten mit Liebe und Herzblut bei der Sache sind. Auch im Publikum sitzen Verwandte und Freunde von den Spielern, die sie  noch einmal extra hoch powern und motivieren. Mary Poppins in Beckum ist sehr stark an den Film angelehnt und unterscheidet sich daher von der Bühnenversion, die ich letztes Jahr in Scheveningen gesehen habe.  Außerdem kann diese kleine Produktion natürlich nicht mit dem Bombast und den Effekten einer Großproduktion mithalten. Dennoch wurden Bühnenbild und Magie raffiniert umgesetzt. So wurden die verschiedenen Schauplätze durch hübsche Videoproduktionen dargestellt, welche immer passend waren und nicht ablenkten. Inhaltlich wurde das Stück auf den heutigen Feiertag und auf die aktuelle Bankenkrise mit kleinen Anekdoten aufgeheitert, Mary zog einen geschmückten Weihnachtsbaum aus ihrer Tasche und der Bankdirketor erwähnte den Rettungsschirm.

Mary wurde von Meike Wiemann gespielt. Sie hat die Rolle sehr gut verkörpert und eine bezaubernde Stimme gehabt. Ihr Umgang mit den Kindern war liebvoll und schön zu beobachten, trotzdem konnte sie auch die führende Hand zeigen. Mir persönlich hat ein wenig die “britische Attitüde” gefehlt. In der Erzählerfigur Bert stand Andre Osthues auf der Bühne.  Er hat viel mit dem Publikum interagiert, aber auch gut mit den anderen Darstellern harmoniert. Er konnte das Publikum mit seiner spritzigen Art stets mitreißen. Die Kinder, Jane und Michael, wurden von Elena Kanischew und Janik Rieping süß gespielt. Sie überzeugten mit Gestik und Mimik auf ganzer Linie und standen den großen Spielern nichts nach. Ein weiteres Highlight war das Tanzensemble, da sprang der Funke zum Publikum über, die im Rhythmus mitklatschten. Die Choreographien waren ansprechend und passten sich gut in das Stück ein.

Es war ein gelungener Theaternachmittag, an dem ich mit meiner Familie “den halben Saal” bevölkert habe (wir waren ein ganzes Dutzend). Das Filou-Theater wird mich auf  jeden Fall wieder sehen. Jetzt habe ich Blut geleckt und freue mich schon auf “Linie 1″ im März.

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