Detroit: Become Human – ein überraschend barrierearmes Spielerlebnis

Es wird mal wieder Zeit für einen neuen Beitrag hier und da ich meistens über Dinge schreibe, die mich zuletzt beschäftigt oder bewegt haben, gibt es heute mal wieder Gaming-Content. In meinem Bericht über die gamescom 2017 hatte ich erzählt, dass ich Detroit: Become Human testen konnte und das ziemlich gut spielbar war. Aufgrund meiner Erfahrung mit vorherigen Spielen von Quantic Dream blieb eine gewisse Skepsis, ob es nicht doch mehrere Stellen geben wird, wo für mich unmögliche Bedienelemente genutzt werden. Für mich wäre das vor allem die Bewegungssteuerung, aber auch wenn zu viele Knöpfe gleichzeitig betätigt werden müssen.

In Detroit: Become Human spielt man in wechselnden Kapiteln drei verschiedene Charaktere. Allen drei gemeinsam ist, dass sie menschliche Androiden sind. In der Zukunft Detroits werden viele Arbeiten von solchen Androiden übernommen. Sie sind im Wachschutz tätig, arbeiten im Hafen oder in der Krankenpflege, kümmern sich um Haushalt und Kinder. Mit der Zeit jedoch fangen sie an, ein Bewusstsein zu entwickelt und so steht im Spiel der Konflikt zwischen Mensch und „Maschine“ im Vordergrund. Das Spiel wird oft als interaktiver Film bezeichnet, was im Grunde auch stimmt, jedoch haben Entscheidungen und Handlungen teils so schwerwiegende Konsequenzen, dass sich der Handlungsverlauf je nach Entscheidung stark unterscheidet und zu vielen unterschiedlichen Enden führt.

Je näher das Release-Datum rückte, desto gespannter war ich. Zum einen spricht mich die Thematik sehr an, zum anderen mag ich diese Art Spiele und der erste Eindruck auf der gamescom hat einfach total Lust drauf gemacht. Dann allerdings kamen von den ersten großen Gaming-Formaten auf YouTube Beiträge, wo man nochmal andere Gameplay-Szenen sehen konnte. Dort sah ich, dass es Sequenzen gibt, wo man die Bewegungssteuerung einsetzen oder mit kurzer Reaktionszeit zwei Knöpfe gleichzeitig drücken muss. Ich bekam Angst, Detroit, worauf ich nun schon lange hinfieberte, doch nicht spielen zu können.

Dann endlich war der Release da. Ich installierte Detroit: Become Human und… spielte es direkt am ersten Wochenende durch! Ich habe mich dem Spiel voll und ganz hingegeben und mich in die Geschichte hinein saugen lassen. Meine Story war so fesselnd, dass ich mich geradezu zwingen musste, hier und da mal eine Pause einzulegen. Die einzelnen Charaktere sind mir sehr schnell ans Herz gewachsen und ich wollte unbedingt wissen, wie es für sie weiter geht. Und auf die weiteren Geschehnisse hatte ich als Spielerin ja durch meine Entscheidungen, aber auch mein Geschick in der ein oder anderen brenzlichen Situation, unmittelbaren Einfluss.

Aus der Erfahrung mit den vorherigen Spielen war mir klar, dass ich die Schwierigkeit auf leicht stellen muss, da ich sonst mit der Steuerung auf keinen Fall zurecht kommen würde. Zu meiner positiven Überraschung (oder vielleicht aufgrund meiner Rückmeldung an Quantic Dream nach der gamescom?) wird im Easy-Mode komplett auf Bewegungssteuerung verzichtet. In Sequenzen, wo eine schnelle Reaktion gefordert ist, wird immer nur der Druck auf einen einzelnen Knopf gefordert. Bei zeitlich unbegrenzten Ereignissen waren es bis kurz vor Schluss maximal zwei Knöpfe gleichzeitig. Bis dahin war, mit gelegentlicher Tastenumbelegung über das PlayStation-Menü, alles wunderbar für mich spielbar und ich konnte mich glücklich tief in die Geschichte stürzen. Zum Ende hin wurde meine Freude dann ein wenig getrübt, da es zwei oder drei Momente gab, in denen drei Knöpfe gleichzeitig gefordert wurden. Da brauchte ich dann kurz Hilfe von meiner Assistenz. Der Verbundenheit zur Geschichte hat das jedoch keinen Abbruch getan und auf die gesamte Spielmenge gesehen, war das nur eine minimale Einschränkung.

Wie ich mir #Minecraft barrierearm machte

Ich bin wahrlich nur ein Gelegenheits-Zocker, daher bin auch sehr spät damit, mich mal mit Minecraft zu beschäftigen. Immer mal wieder hatte ich den Gedanken, mir das mal anzusehen und habe es dann aber doch nicht gemacht. Irgendwie war ich mir nicht sicher, ob ein Spiel, wo man „einfach durch die Gegend rennt, Höhlen gräbt und Hütten baut“ wirklich so interessant sein kann. Und doch, vor etwa drei Wochen habe ich es endlich mal installiert und ganz gespannt eine Welt eröffnet.

Screenshot eines Twitter-Status

Die Spannung hielt nicht lange an, als ich feststellte, dass Minecraft die Maus im Fenster gefangen hält. Ich konnte mich auf der Stelle drehen, kam aber weder vor noch zurück, da das Spiel hierfür eine Tastatureingabe erfordert. Aufgrund meiner Muskelerkrankung, der Spinalen Muskelatrophie, kann ich den Computer allerdings nur über die Maus bedienen. Ich kann auch mal eine einzelne Taste auf der Tastatur drücken, wenn diese nicht zu weit weg ist, aber für ein Spiel oder gar Texte reicht das nicht. So schnell wollte ich das Projekt Minecraft jedoch nicht aufgeben.

Ich erinnerte mich an eine App, die ich früher mal auf meinem iPhone 4 hatte – sicher gibt es Vergleichbares auch für Android. Mit der App TouchMouse von Logitech kann man über das Touchscreen vom Handy Maus und Tastatur des Computers bedienen, wenn man auf diesem vorher die Empfänger-Software installiert hat und beide Geräte mit dem gleichen WLAN verbunden sind.

Screenshot der App TouchMouse

Also installierte ich schnell die App auf meinem aktuellen iPhone und den Empfänger auf meinem Computer und… kam immer noch nicht vom Fleck! Die App schickt scheinbar nur einen sehr kurzen Tastendruck, der zwar zum Beispiel für das Öffnen des Inventars mit E reicht, nicht aber für Laufen oder Springen. Diese Erkenntnis hat mich immerhin gedanklich einen Schritt weiter gebracht.

Die Steuerung von Minecraft kann man sehr individuell anpassen. Also begab ich mich in die Einstellungen. Klar war, dass die wichtigsten Funktionen bzw. solche, die einen längeren Tastendruck erfordern, auf die Maus gelegt werden mussten. So entschied ich mich dafür, die linke Maustaste für Vorwärts zu verwenden. Auf die rechte Maustaste legte ich Springen und in die Mitte Angreifen/Abbauen. Die Funktion Benutzen/Platzieren läuft über die App auf meinem Handy, da hierfür ein kurzer Tastendruck reicht und die Funktion weniger häufig gebraucht wird als die anderen.

Und siehe da: Ich konnte plötzlich laufen und springen! Nach einer Weile durch die Gegend laufen und eine Ebene für mein Häuschen platt machen stellte ich jedoch fest, dass auch diese Steuerung noch nicht ideal ist. Die mittlere Maustaste bei meiner Maus geht einiges schwerer als die anderen beiden und es wurde auf Dauer ziemlich anstrengend, die Blöcke abzubauen. Also tauschte ich fürs nächste Mal die mittlere und rechte Maustaste.

Screenshot von den Steuerungseinstellungen

Screenshot von den Steuerungseinstellungen

Nun ging zwar Abbauen wesentlich besser und ermüdungsfreier, dafür bekam ich beim Springen Probleme. Da die Taste deutlich schwerer geht und man Springen und Laufen gleichzeitig drücken muss, um irgendwo hoch zu kommen, ist es für mich immer ein kleiner Akt von Finger-Akrobatik, eine Stufe zu erklimmen. Das ist so lange in Ordnung, wie ich irgendwo etwas ab- oder aufbaue, aber wenn ich die Gegend erkunden will, ist das wieder sehr anstrengend.

Weil mir schon im Vorfeld klar war, dass ich nicht sofort voll durchstarten kann, spiele ich im Kreativ-Modus auf friedlich. Das ist für mein Spring-Problem auch eine gute Lösung. Rund um mein Häuschen bzw. das, was es mal werden soll, habe ich kleine Treppen verteilt, damit ich dort schon mal nicht mehr springen muss.

Screenshot der Spielansicht

Solange ich mich da mit Bauen beschäftige, läuft es dann ganz gut. Wenn ich los laufen und mich im weiteren Bereich der Welt umsehen möchte, werde ich wieder mittlere und rechte Maustaste tauschen. Das ist natürlich ein wenig umständlich, aber immerhin habe ich es überhaupt geschafft, Minecraft auf meine Möglichkeiten anzupassen.

Manchmal muss man eben eine Weile probieren, bis man seinen Weg gefunden hat.