HyperDot Accessibility-Forschung

Wisst ihr noch, dass ich in meinem E3-Bericht das Spiel HyperDot erwähnte? HyperDot ist ein Action-Arcade-Game, das nur eine einzige Regel hat: weiche allem aus. Ich habe eine Demo bekommen, die ich diese Woche spielen durfte, denn Entwickler Charles McGregor und das Indie Label GLITCH möchten HyperDot so barrierearm wie möglich machen. Zu diesem Zweck haben sie an interessierte, behinderte Gamer die Demo verteilt, mit der Bitte, die eigenen Eindrücke zur Accessibility genau zu schildern.

Ich wusste von der E3 bereits, dass die einzelnen Level recht kurz sind. So konnte ich mich abends nach der Arbeit trauen, mal ein wenig in die HyperDot-Demo zu schauen. Die Demo läuft unter Windows, was ein bisschen Umgewöhnung für mich ist. Für gewöhnlich spiele ich nämlich nicht am Computer. Ich startete das Spiel und bekam direkt ein wenig Panik. Es öffnete sich im Vollbild, was dazu führen kann, dass ich in dem Spiel „gefangen“ bin. Ich kann keine Tastatur benutzen und bediene den Computer ausschließlich über die Maus mit einer Bildschirmtastatur und einer weiteren Spezialsoftware zur Texteingabe mit der Maus. Öffnen sich Spiele oder Programme im Vollbild, verschwinden meine Eingabehilfen dahinter und manchmal ist es nur mit Druck auf ESC möglich, das Programm zu verlassen. Ohne Zugriff auf die Bildschirmtastatur jedoch…

Nach dem ersten Schock dann die Freude: Ich konnte ganz normal mit der Maus durch das Menü navigieren und die einzelnen Punkte per Klick auswählen. Glück gehabt, ich konnte mich also weiter umsehen. Der erste Weg bei einem neuen Spiel führt mich immer in die Einstellungen. So ging ich auch bei HyperDot als erstes in dieses Menü.

Die Einstellungen verwirrten mich. Ich wusste, dass HyperDot mit verschiedensten Eingabemethoden gespielt werden kann. Wo waren denn die Einstellungen dafür? Für mich sind die Controls das wichtigste, wonach ich vor Spielstart gucke, aber ich sah nichts dazu. Unter dem Punkt Video fand ich aber eine andere sehr gute Option: Ausschalten von Fullscreen. Danke! Den Fensterrahmen und die Taskleiste von Windows wieder zu sehen, beruhigt mich irgendwie.

Nun denn, viel mehr für mich interessante Einstellungen gab es nicht, also startete ich das Spiel im Single-Player-Modus. Hier gibt es die Wahl zwischen Campaign und Freeplay. Ich entschied mich erstmal für Kampagne. Und siehe da, mit Start der Kampagne bekam ich die Möglichkeit, nicht nur die Farbe meines Dots zu wählen , sondern ich konnte insbesondere endlich ein Controls-Menü öffnen.

HyperDot bietet die Möglichkeit, es per Keyboard-, Maus-, Eyetracking- oder Touch-Eingabe zu spielen. Ist ein Xbox-Controller mit dem Computer verbunden, wird dieser automatisch erkannt und kann ebenfalls benutzt werden. Ich habe als erstes mit der Maus gespielt, denn die habe ich immer an meinem Computer angeschlossen. Das erste Level lief so auch richtig gut. Doch nachdem ich das Level geschafft hatte, gab es ein Problem: Der Mauszeiger wurde zum Spielen ausgeblendet bzw. in den Dot umgewandelt. Ich bekam nach der Runde aber nicht wieder einen Mauszeiger angezeigt. Das heißt, ich konnte nicht sehen, wo ich mich auf dem Bildschirm befand.

Ich fuchtelte also ein wenig ziellos mit der Maus umher, bis ich irgendwann sah, dass die Felder ein kleines bisschen heller werden, wenn ich gerade drüber fahre. So spielte ich noch zwei weitere Level mit der Maus, aber das Zielen auf die Schaltflächen wurde mir irgendwann zu nervig und ich machte für den Abend erstmal Schluss, beschloss aber, das ganze noch einmal mit Controller zu testen.

Dazu bin ich dann gestern endlich gekommen. Der Controller wird, wie erwähnt, ganz automatisch vom Spiel erkannt. Ich freute mich sehr, dass ich ohne weitere Einstellungen den rechten Stick zur Navigation durch das Menü, aber auch innerhalb des Spiels nutzen konnte. Normalerweise muss ich das immer im Spiel oder systemseitig einstellen. Durch den Controller löste sich auch das Problem mit Mauszeiger. Ist ein Controller angeschlossen und wird benutzt, sind alle Schaltflächen mit den entsprechenden Knöpfen beschriftet.

Mit Controller konnte ich HyperDot dann tatsächlich so gut spielen, dass ich nun schon fast alle Level der Demo durch habe. Gut, mir fehlen noch neun Level von 25 (sowie Multi-Player-Modus und Highscore-Jagd im Freestyle) und der Schwierigkeitsgrad hat ordentlich angezogen. Es kommen nämlich immer wieder neue Formen, denen ausgewichen werden muss, hinzu, die sich anders verhalten als die vorherigen und auch die Arena verändert sich hier und da. Das fertige Spiel soll dann übrigens 100 verschiedene Level haben.

HyperDot ist diese Mischung aus „lässt sich gut mal zwischendurch spielen“ und „bloß nicht anpacken, wenn du keine Zeit hast“. Durch die kurzen Level ist es eigentlich perfekt mal eingeschoben, auf der anderen Seite ist da aber auch dieses Phänomen von „ach, ein Level noch vorm Schlafen gehen“ und plötzlich ist es halb zwei nachts und aus dem einen Level wurden acht. Ich mag das sehr!

Vielen Dank, Charles und GLITCH, dass ich die Demo spielen darf. Es wird ein tolles Spiel und ich wünsche euch viel Erfolg damit!

#MellyGoesE3 – Eine Reise nach Los Angeles

Vorbereitung und Anreise

Wer mir auf Twitter folgt, weiß, dass ich vor wenigen Tagen von einer kleinen großen Reise zurück gekommen bin. Ich wurde vom deutschen Xbox-Team eingeladen, zum E3-Event nach Los Angeles zu kommen. Nach ein bisschen Überlegen und Organisieren, habe ich die Einladung angenommen, denn so eine Möglichkeit gibt es sicher nicht so schnell wieder.

Die Einladung kam etwa Mitte April und so ging es von der Zusage schon fast nahtlos in die Organisation über. Ich musste erstmal einen Reise-Pass beantragen, denn bisher hatte ich noch gar keinen. Außerdem mussten einige Formulare ausgefüllt werden. Der Antrag zur Einreise in die USA, die Akkreditierung als „Media“ auf der E3 und die Lufthansa brauchte ein Formular über meine behinderungsbedingten Einschränkungen. Nachdem der Papierkram soweit erledigt war, stand die logistische Planung an. Passende Koffer und Zubehör mussten angeschafft werden und eine „Handtasche“, die den Bestimmungen der E3 entspricht.

Als das alles erledigt war, ging es dann auch schon wenige Tage später los. Knapp drei Stunden vor Abflug, trafen meine Assistentin und ich am Flughafen ein. Die Zeit haben wir auch fast komplett gebraucht. Der Rollstuhl musste nochmal angemeldet und die Zulassung der Batterie geprüft werden, die Koffer wurden angenommen und dann ging es durch die ganzen Sicherheitskontrollen. Den Rollstuhl konnte ich bis zum Einstieg behalten, dann wurde er im Gepäckraum verladen. Ich wurde mit einem speziellen Board-Rollstuhl zu meinem Platz gekarrt, wo mich meine Assistentin mit vielen Kissen ausgestopft auf dem Sitz einrichtete.

Ich sitze auf dem Flugzeug-Sitz und lächele in die Kamera. Um mich herum sind verschiedene Kissen und Plüschtiere, um mich zu stützen.

Nach einem ersten kurzen „Oh je, ich schaff das nicht, zwölf Stunden so zu sitzen. Abbruch, Abbruch!“-Panikanfall mit akuter Kurzatmigkeit, während noch alle einstiegen, haben wir meine Position noch ein wenig geändert und es ging mir sofort deutlich besser. Während des Fluges konnte ich mich dann auch über meinen Sitz und die Assistentin quer legen, sodass es gar nicht mehr so anstrengend war. Der Flug war natürlich trotzdem lang, aber nicht so schlimm, wie ich mir vorher ausgemalt habe.

In Los Angeles gelandet, bekam ich auch direkt nach dem Ausstieg meinen Rollstuhl wieder. Welch wohliges Gefühl, darin zu sitzen und vor allem ihn wohlbehalten wieder unter meinem Hintern zu wissen! Die Einreise dauerte nochmal einige Zeit. Wir mussten neben der Pass-Kontrolle wieder Formulare ausfüllen, Fingerabdrücke abgeben und Fotos von uns machen lassen. Nachdem das überstanden und unser Gepäck eingesammelt war, dauerte es noch eine Weile, bis wir den Chauffeur zum Hotel gefunden hatten. Auf dem Weg zum Hotel konnten wir dann ein bisschen von LA sehen. Palmen an den Straßen, Berge im Hintergrund – und ein Fleck mit Hochhäusern. Downtown, unser Aufenthaltsort für die nächsten Tage.

Eine Straße in LA. Im Hintergrund ist eine großes rundes Hochhaus zu sehen, an den Seiten der Straße sind auch mehrstöckige Gebäude.

Endlich im Hotel angekommen, haben wir uns erstmal im Zimmer eingerichtet und frisch gemacht. Das ganze Auspacken hat einige Zeit in Anspruch genommen. Danach sind wir dann einfach nur noch ins Bett gefallen.

Montag

Den Auftakt meiner E3-Woche machte die Pressekonferenz von Ubisoft. Gefühlt war es eher eine „Tom Clancy“-PK, aber davon abgesehen schon ganz gut. Zu Beginn gab es einen kurzen Ausschnitt aus dem Programm der Assassin’s Creed Symphony. Das Orchester war richtig toll und hätte auch gerne einen längeren Ausschnitt zeigen dürfen. Sehr interessant fand ich dann die Informationen über Watch Dogs Legion. Es soll möglich sein, jeden beliebigen NPC zu rekrutieren und dann als spielbaren Charakter zu nutzen. Ein spannendes Konzept und ich hoffe sehr, dass ich das Spiel spielen kann. Sehr begeistern konnte mich auch der ultra niedliche Trailer zu Gods & Monsters, der ganz am Ende gezeigt wurde, auch wenn noch nicht klar ist, was das eigentlich für ein Spiel wird.

Der Eingang vom Orpheum-Theater, wo die Ubisoft-PK stattfand.

Im Anschluss ging es dann zum Microsoft Theater. Dort gab es bereits einige Anspiel-Stationen für neue Games. Ich war über alle Tage verteilt immer mal wieder dort, um etwas anderes auszuprobieren. Das ging im Microsoft Theater sehr gut, da sie dort ein paar Xbox Adaptive Controller hatten und diese für mich immer an die Station angeschlossen haben, wo ich mir ein Spiel ansehen wollte.

Begonnen habe ich mit DOOM Eternal, wo mich die Paparazzi von Bethesda direkt erwischt haben.

Außerdem habe ich dort noch gespielt:
HyperDot, ein sehr minimalistisches, aber wirklich kurzweiliges Spiel mit einfacher Steuerung
Kurz reingeguckt in State of Decay 2
Ein bisschen Borderlands 3
Und meinen neuen Favoriten, Bleeding Edge. Das Match hat, obwohl mein Team verloren hat, sehr viel Spaß gemacht. Die Charaktere sind großartig gestaltet und es ist kein Nachteil, wenn von der umfangreichen Steuerung nicht alle Möglichkeiten genutzt werden können.

Am Abend ging es dann gemeinsam mit der „Reisegruppe“ von Xbox noch lecker essen. Der ganze Haufen war total lieb und es war eine sehr gemütliche Runde. Das Essen war für mich leider nicht ganz so geeignet, aber der hochkalorische Kuchen hat das dann wieder rausgerissen.

Dienstag

Der erste offizielle Tag der E3. Dieser Tag war dafür geplant, erstmal einen Überblick zu bekommen. Tatsächlich ging das schneller als gedacht, da die E3 vom Gelände her einiges kleiner ist als die gamescom. Obwohl wir gemütlich durch die Hallen gingen und viele Fotos machten, waren wir am frühen Nachmittag schon durch. Das war aber nicht weiter schlimm, da ich dann den Abend zum Ausruhen nutzen konnte.

Mittwoch

Mittwoch war der Tag mit den vielen Terminen. Angefangen hat er mit einer Live-Gameplay-Demo von Cyberpunk 2077. Ich weiß, dass solche umfangreichen Spiele mich überfordern, daher kann ich nicht so richtig mithypen, aber ich kann schon die Begeisterung nachvollziehen. Es steckt sichtbar viel Herzblut im Spiel und alles wirkt detailliert, durchdacht und liebevoll gestaltet.

Als nächstes ging es dann zu Borderlands 3. Zunächst gab es ein paar Videos und Erklärungen vom Designer zu den Neuerungen im Vergleich mit den Vorgängern. Im Anschluss durfte dann eine Demo gespielt werden. Hier habe ich meine Assistentin vorgelassen, da ich meinen Controller nicht mit hatte und es dann für mich sehr umständlich gewesen wäre. Ich habe die Demo später im Microsoft Theater mit Adaptive Controller nachgeholt. Bisher habe ich noch kein Borderlands gespielt, aber ich mag die Optik gern und es sieht auch echt ganz lustig aus. Da die Komponente der sozialen Interaktion mit Freunden aber recht wichtig ist und ich leider kaum Freunde im Xbox-Kosmos habe, ist es für mich eher nicht so interessant.

Am Abend konnte ich mir dann noch ein Demo-Video von Marvel’s Avengers ansehen. Was soll ich sagen? Als Avengers-Fan habe ich da große Lust drauf. Die ersten Sekunden war es irritierend, dass es andere Schauspieler sind als in den aktuellen Filmen, aber ich konnte mich schnell daran gewöhnen. Es sieht nach einem action-reichen Abenteuer aus und ich bin super interessiert daran. Ich freue mich vor allem darauf, „meine“ Black Widow spielen zu können.

Donnerstag

Der letzte Tag auf der E3. Ich hatte nur am Nachmittag noch eine Verabredung, daher konnten wir gemütlich in den Tag starten. Nach einem ausgedehnten Frühstück, ging es erstmal in einen kleinen Park in der Nähe des Hotels. So ein Park umringt von Hochhäusern fühlt sich irgendwie komisch an.

Im Vordergrund sind ein paar kleine Rasenflächen und Bäume, im Hintergrund Hochhäuser mit Glas-Fassade.

Dann ging es noch ein letztes Mal zurück zur E3. Bei Ubisoft war ich mit dem dortigen Accessibility Manager verabredet. Zum einen, um meine Meinung zur Ubisoft-Booth abzugeben, aber auch einfach um ein bisschen über Game Accessibility zu sprechen. Das Gespräch war super interessant und ich bin gespannt, was aus dem Kontakt noch so wird.

Zum Abschluss wurde ich noch in die Vorführung vom „Watch Dogs Legion“-Gameplay eingeschleust. Das hat sehr viel Lust auf das Spiel gemacht. Ich fand es bei der Pressekonferenz schon interessant, aber das gezeigte Gameplay konnte das noch steigern. Da Ubisoft sehr um Accessibility bemüht ist, bin auch guter Hoffnung, dass ich damit klar kommen werden.

Rückreise

Und schon war es soweit. Der Freitag mit dem Rückflug stand vor der Tür. Da der Flug erst abends ging, konnten wir ganz in Ruhe packen und auch noch schnell aus dem nahegelegenen Supermarkt ein paar amerikanische Leckereien für Zuhause besorgen. Mit dem gleichen Fahrdienst wie bei der Ankunft wurden wir nachmittags zum Flughafen gebracht, wo wir wieder fast die drei Stunden brauchten, die wir vorher da waren.

Am Check-In hätten sie mir am liebsten direkt schon den Rollstuhl weg genommen und die Batterie ausgebaut. Beides konnten wir nach etwas Diskussion erfolgreich verhindern. Die Sicherheitskontrolle aus dem Land raus war fast strenger als rein. Da ich aufgrund des Korsetts nicht richtig abgetastet werden konnte, musste erst eine Person von höherem Rang kommen, um das durchzuführen. Von meiner Flüssignahrung im Handgepäck wurden mindestens drei Abstriche gemacht, da die wohl sehr gefährlich wirkte.

Nachdem alles ausdiskutiert und überstanden war, ging es schon bald in den Flieger. Dieses Mal saß ich von Anfang an besser und konnte den Start sogar ein bisschen genießen. Da ich am Fenster saß, habe ich auch etwas davon sehen können. Die meiste Zeit des Fluges habe ich mich aber wieder quer gelegt und ein bisschen mit der Beatmung gedöst. Die vergangenen Tage waren schon recht anstrengend.

Die Flugroute von Los Angeles nach Frankfurt a/M

Mit etwa 20 Minuten Verspätung trafen wir Samstag-Nachmittag in Frankfurt ein. Die Reise hat mich müde ankommen lassen, aber ich bin sehr glücklich, dabei gewesen zu sein. Ich habe einiges gesehen, das ich anders nicht erlebt hätte und ich freue mich auf alles, was da kommen mag.