Biologische Besonderheiten bei der SMA

3.    Biologische Besonderheiten bei der SMA

3.1.    Welche genetische Veränderung liegt bei der SMA vor?

„1995 wurden zwei mögliche SMA-Krankheitsgene (SMN- und NAIP-Gen) auf dem langen Arm von Chromosom 5 (5q13) identifiziert. In der Folge zeigte sich, dass die größere Bedeutung beim SMN Gen liegt.“[1]

Der Name SMN-Gen wird von der Funktion des Gens hergeleitet. SMN steht für Survival of Motor Neurons, das heißt wörtlich übersetzt „Überleben der Motoneuronen“ (Nervenzellen, die die Muskeln aktivieren). Das SMN-Gen ist für die Herstellung des SMN-Proteins zuständig. Dieses wiederum ist für die Funktion der Motoneuronen im Rückenmark wichtig, die die Skelettmuskeln aktivieren, das heißt fachlich innervieren.

In Tierversuchen wurde das SMN-Gen bei Mäusen stillgelegt. Diese so genannten „knockout-Mäuse“ sind im frühen Embryonalstadium gestorben. Es stellte sich heraus, dass Menschen zusätzlich eine Kopie des SMN-Gens haben, denn sonst wären Embryonen auch schon im frühen Stadium gestorben.

Um diese beiden Gene besser von einander unterscheiden zu können, wurden sie SMN1- und SMN2-Gen genannt. Die Aufgabe des fehlenden SMN1-Gens wird vom SMN2-Gen übernommen. Da das SMN2-Gen keine identische Kopie des SMN1-Gens ist, wird die Aufgabe nur zu 20 % erfüllt.[2] Das SMN1-Gen liegt auf dem Telomer und das SMN2-Gen auf dem Zentromer. Durch eine Deletion, das heißt Verlust eines Chromosomenstücks, fehlt den Patienten das SMN1-Gen.[3]

3.2.    Warum kann das SMN2-Gen nicht vollständig die Aufgaben des SMN1-Gens übernehmen?

Die SMN1- und SMN2-Gene haben acht Exons. Jedes Exon ist für sich ein gut gekennzeichneter Abschnitt. Nur das Exon 7 hat keine eindeutige Kennzeichnung. Es hat eine Hilfskennzeichnung, „Exonic Splicing Enhancer“ genannt. Gerade im Bereich dieser Hilfskennzeichnung ist beim SMN2-Gen ein Unterschied zum SMN1-Gen festgestellt worden. Dadurch wird beim Spleißen das Exon 7 in ca. 80 % der Vorgänge nicht als Exon erkannt und wie ein Intron herausgeschnitten. In diesen Fällen wird das SMN-Protein nicht aufgebaut. Die 20 % SMN-Protein, die vom SMN2-Gen hergestellt werden, reichen zum Überleben der meisten Körperzellen, jedoch nicht für die Motoneuronen im Rückenmark. [4] „Sie stellen nach und nach ihre Funktion ein und unsere Kinder verlieren immer mehr die Fähigkeit, ihre Muskeln zu bewegen.“[5]


[1] Dr. Weber, Jens-Peter: Neues von der SMA. In: Muskelreport Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V. Nr. 2. 2000. Seite 23

[2] vgl. Brief von Inge Schwersenz an mitbetroffene Eltern  im September 2001

[3] vgl. Dr. Weber, Jens-Peter: Neues von der SMA. Seite 23

[4] vgl. Brief von Inge Schwersenz an mitbetroffene Eltern  im September 2001

[5] Brief von Inge Schwersenz an mitbetroffene Eltern  im September 2001, Seite 1

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