RENT – 14.09.2012, Kerpen

Die Zweite

Ich schreibe ja nur selten mehrfach über dieselbe Show, schon gar nicht, wenn die Besetzung identisch war, aber in diesem Fall muss das dann doch nochmal sein. Im Bericht zur Show vor einer Woche hatte ich ja schon anklingen lassen, dass ich mir diese Inszenierung gerne nochmal ansehen würde, nun, wir haben die Chance ergriffen und waren mit dem gestrigen Besuch quasi bei jeder zweiten RENT-Vorstellung des Musical Ensembles Erft.

Dieses Mal werde ich nicht auf die Solisten eingehen, die habe ich im letzten Bericht schon ausgiebig abgehandelt. Ich halte aber fest: sie haben allesamt noch einen drauf gelegt und mich nochmal mehr begeistert. Worauf ich heute eingehen möchte, ist das phantastische Ensemble, bestehend aus Barbara Becker, Anja Boden, Lydia  Bremer, Yavanna Pütz, Miguel Schlang, Tim Stranowsky und Sarah Wichmann. Die Ensemble-Lieder bei RENT gehören zu meinen Lieblingsliedern aus Musicals und dieses Ensemble hat sie wunderbar interpretiert. Alle Beteiligten haben zu jederzeit auch bei den mehrstimmigen Stellen verständlich gesungen und waren gut auf einander abgestimmt. Besonders erwähnen möchte ich aus dem Ensemble Tim Stranowsky, der den Gordon spielte und Yavanna Pütz als Alexi Darling. Tim hat die Partie des Gordon sehr gefühlvoll und überzeugend rübergebracht. Yavanna hat den Telefonszenen mit viel Charme eine Menge Witz verliehen.

Alles in allem waren die beiden Besuche bei RENT sehr gelungene Abende und ich bin froh, dass ich dabei war. Ich freu mich schon auf die nächste Produktion des Musical Ensembles Erft, was auch immer und wann auch immer diese sein wird.

RENT – 08.09.2012, Kerpen

WAS WAR DAS?! Die sind ja der Hammer!

Nachdem ich zwei der Hauptdarsteller schon beim Forum junger Künstler sehen durfte, waren meine Erwartungen an diese semiprofessionelle Aufführung schon recht hoch, dennoch konnten sie übertroffen werden. Wenn nicht die Schulaula des Kerpener Gymnasiums etwas den Theaterflair gestört hätte, hätte diese Vorstellung des Musical Ensembles Erft auch gut ein Projekt von Musical-Studenten sein können. Das Niveau war sehr hoch und es gab nur ein paar Kleinigkeiten, die mir nicht ganz so gefielen.

Aber nochmal zurück zu den Musical-Studenten, mit Oliver Morschel als Marc stand tatsächlich ein solcher auf der Bühne. Man hat ihm auch angemerkt, dass er vom Fach ist und zu jeder Zeit weiß, was er tut, aber trotzdem hat er sich nicht in den Vordergrund gespielt oder die anderen blass wirken lassen. Er harmonierte gut mit dem gesamten Ensemble, aber ganz besonders mit Sascha Kollarz als Roger. Sascha hat mich besonders durch seine fascettenreiche Stimme überzeugt, die sowohl in den rockigen Tönen als auch bei den ruhigen Stellen einen schönen, kräftigen Klang hatte und Gefühle transportierte. Ähnlich ging es mir auch mit Collins, gespielt von Fabian Busch. Zuerst hat mich seine Stimme überrascht, weil ich nicht mit solchen Tönen gerechnet hatte, aber dann hätte ich ihm noch stundenlang zuhören können. Auch Marco Maciejewski als Angel konnte mich überzeugen. Allerdings hätte ich mir bei „Zuerst für euch“ noch etwas mehr Aufgedrehtheit gewünscht, da hätte er von der Choreographie mehr unterstützt werden müssen. Von Seiten der Choreographie hätte ich mir generell etwas mehr gewünscht, lediglich bei „Santa Fe“, „La Vie Boheme“ und zum Teil bei Maureens Performance habe ich schöne choreografische Elemente wahrgenommen, ansonsten kam aus dem Bereich nicht viel bei mir an. Für die Choreographie zeichnet sich übrigens Laura Hatko verantwortlich, welche außerdem die Maureen spielte. Ob eine Maureen überzeugen kann, zeigt sich für mich immer daran, wie schnell sie das Publikum zum „Muhen“ animieren kann. Laura musste sich nicht groß anstrengen und der ganze Saal muhte mit ihr. Sie hat auch eine wirklich geniale Performance hingelegt, die einen sofort mitriss, allerdings hatte ich später bei „Lass mich oder verlass mich“ das Gefühl, dass sie mit den Höhen zu kämpfen hatte. Aber auch Michaela Berg als Joanne schien bei diesem Stück leichte Probleme zu haben. Ihre anderen Gesangsstücke und ihre Präsenz ließen mich darüber jedoch schnell hinweg sehen, denn insgesamt lieferte sie sauber ab. Bei Angela Schlüter als Mimi hatte ich in der „Raus heut‘ Nacht“-Szene auch wieder das Problem, dass es mir nicht aufgedreht genug war. Außerdem hat mir bei dem Stück ihre Stimme nicht so gut gefallen, was sich aber schon bei „Ein Andermal“ relativierte und spätestens bei „Du musst wissen“ war dieses kleine Manko vergessen. Die eh schon kleine Rolle des Benny wirkte in der Darstellung von Dennis Müller etwas blass, aber stimmlich gibt es hier absolut nichts auszusetzen.
Das Ensemble war mit Feuereifer dabei und harmonierte gut, die Chorstücke hatten einen schönen vollen Klang. Insgesamt wirkte jeder einzelne Spielfreudig und gerne einsatzbereit.

Auch wenn ich jetzt ein paar negative Punkte aufgezählt habe, heißt das nicht, dass es mir nicht gefallen hat. Im Gegenteil, ich hatte ja eingangs schon geschrieben, dass meine hohen Erwartungen noch übertroffen wurden. Es war ein schöner Abend in Kerpen, der sich absolut gelohnt hat, und ich spiele schon seit der Pause gestern mit dem Gedanken, nächstes Wochenende nochmal hinzufahren.

Nachtrag:
Ich war tatsächlich nochmal

Tag 21 – Ein Musical von deinem Lieblingskomponist?

Das ist wieder knifflig. Ich habe keinen richtigen Lieblingskomponisten, glaube ich. Sylvester Levay/Michael Kunze sind ein tolles Team und ich mag bisher alles aus deren Feder. Aber Jonathan Larsson ist natürlich auch super, ich liebe RENT und tick, tick…BOOM! und es wäre sicher noch viel gutes von ihm gekommen. Und dann ist da noch Jason Robert Brown, dessen The last 5 years und Songs for a new world ich unglaublich gerne mag. Ich kann mich nicht entscheiden.

Tag 13 – Was war die traurigste Szene, die du je gesehen hast? Und musstest vielleicht auch ein paar Tränchen verdrücken?

Ich weiß es nicht. So einen Tränen-Moment hatte ich noch nie, aber ich kann auch bei Filmen und Büchern nicht richtig heulen. Irgendwie lasse ich sowas wohl nicht nah genug an mich ran. Manchmal finde ich das schon etwas schade, dass ich nicht so mitgehen kann. Traurige Szenen fallen mir einige ein. Die Hinrichtung von Marie Antoinette in Marie Antoinette, der Mord an Constance bis zum Selbstmord Miladys in Drei Musketiere und Angels Tod, Mimis Beinahe-Tod in RENT, das sind schon extrem traurige Szenen. Was ich aber nun als traurigste Szene nenne, ist mir eigentlich selbst etwas peinlich, aber ich wähle die Szene der Rocky Horror Show, in der Riff Raff erst Columbia und dann Rocky und Frank’n’furter erschießt/erlasert. Diese Szene hat mich beim ersten Besuch nämlich etwas erschreckt, weil ich vor lauter „Feelgood“-Stimmung nicht mit sowas gerechnet hatte. Und dann hat Sam Cassidy auch noch so herzergreifend gespielt, das war wirklich hart…

RENT – 28.11.2010, Feierabendhaus Hürth

Feierabendhaus Hürth, über den Veranstaltungsort wusste ich erstmal so gar nichts, nur dass er am Chemie-Park liegt. Ich habe also erst per Mail angefragt, ob ich überhaupt stufenfrei den Saal erreichen kann und, wenn ja, wie ich an Karten komme. Mir wurde dann zugesagt, dass es kein Problem wäre und ich einfach online buchen könne. Das war ja schon eine mega Überraschung, wo kann man schließlich Rolli-Plätze online buchen? Bei freier Platzwahl und einem breiten Mittelgang erklärt sich das dann. Ich konnte also online buchen und mittig sitzen, der Wahnsinn! Aber auch von der Rolli-Toilette bin ich nachhaltig beeindruckt. Der Raum ist sehr groß, also selbst mit elektrischem Rollstuhl und Hilfsperson wird es dort nicht eng und die Einrichtung war richtig edel, nicht die Haltegrife aus weißem Plastik, sondern welche aus Metall, und sogar der Spiegel war gekippt, so dass ich mich hätte nachschminken können.

Aber auch wenn allein schon diese Erfahrungen den Ausflug lohnend machten, es ging ja doch vordergründig fürs Musical hin. Ich hatte keine besonders hohen Erwartungen, da ich mich auf eine reine Laiengruppe, das Ensemble Musical for You, einstellte. Als Heike dann das sehr schöne Programmheft aufschlug und „Sascha?“ quietschte, stiegen meine Erwartungen gleich ein paar Stufen an. Mit Sascha Kurth hatten wir überhaupt nicht gerechnet! Und er hat nicht nur Mark fantastisch gesungen und gespielt, sondern bei fast allem der Produktion mitgewirkt, Choreographien, Gesangscoach, Bühnenbild, Redaktion etc. Ganz schön tough, so neben dem Studium an der Folkwang, Respekt!
Dass Saschas professionelle Leistung natürlich herausgestochen hat, sollte klar sein, dennoch hat er sich nicht in den Vordergrund gespielt oder von den anderen abgelenkt. So konnte besonders Lars Schmidt als Roger glänzen. Er war echt fantastisch, ein schöner, rockiger Hauch in der Stimme und sehr glaubhaftes Spiel. Auch Anke Kruse als Joanne hat mich voll überzeugt, besonders stimmlich. Sie hat eine sehr schöne, markante Stimme mit ganz viel Kraft, so eine echte Röhre. Ganz besonders erwähnenswert ist auch Anatol Käbisch als Angel, er war nämlich echt genial! Allein für das Rumgespringe auf Absatzschuhen gebührt ihm schon Respekt, aber er hat Angel einfach insgesamt wunderbar verkörpert. Leander Thorne passte als Collins sehr gut zu ihm. Obwohl bei Leander nicht jeder Ton gesessen hat, mochte ich ihn gerne auf der Bühne haben. Er hat einen sehr tollen, gefühlvollen Collins gespielt und war super.
Bei Elisa Käbisch als Mimi habe ich sehr gemischte Gefühle. Es gab Momente, wo ich ihre Stimme gar nicht leiden konnte, und dann wiederum waren da Sequenzen, die ich total gerne mochte. Ihr Spiel war eher weniger überzeugend, wenn sie gesprochen hat, hat sie manchmal zu stark betont und sie hat nicht sexy genug agiert, aber auch beim Spiel gab es wieder Momente, wo sie eben doch genau Mimi getroffen hat. Bei Bernadette Kascha als Maureen geht es mir ähnlich. Vor der Pause fand ich sie genial, also Maureens Perfomance und La Vie Boheme, aber im zweiten Teil mochte ich ihre Darstellung nicht mehr. Ich hatte das Gefühl, dass sie gesanglich etwas überfordert war und sehr angestrengt auf der Bühne stand. Thomas Still als Benny ging dann aber so gar nicht. Ich weiß nicht, ob überhaupt ein Ton gesessen hat, es hörte sich ziemlich schlimm an, schauspielerisch war da leider auch fast nichts. Er sollte sich vielleicht überlegen, sich nur auf seine ganzen anderen Aufgaben, die er sehr gut erfüllt, zu konzentrieren und die Bühne dem Rest der Truppe überlassen.

Auch wenn sich der Bericht jetzt nicht durchweg positiv liest, habe ich mich am Ende ein wenig geärgert, dass wir nur zur letzten Vorstellung gegangen sind. Es war nämlich, trotz einiger Schwächen, ein wirklich wundervoller Abend. Sowohl das Ensemble Musical for You als auch das Feierabendhaus werden mich sicher nochmal wiedersehen, wenn das Programm interessant ist.