Im Baskenland nahm es sein Ende

Ich habe gestern Abend die Postkarte aus Etxalar an meine Kartenwand gepinnt. Es ist vorbei. Mein erstes ARG fand gestern im Baskenland sein Ende. Allmählich trudelt unser „Einsatzkommando“ wieder an den heimischen Rechnern ein und wir bekommen erzählt, was da gestern so passiert ist. Aber das erst ganz zum Schluss, vorher möchte ich noch versuchen, zu erzählen, was zwischen meinem letzten Eintrag und diesem hier alles so geschehen ist.

Wo habe ich denn aufgehört? Ach ja, Beas Blog. In ihrem ersten Eintrag, den sie übrigens an Professor von Balthasar adressiert hat, verkündet Bea, dass diese Nacht die letzte ihres Lebens sein wird. Sie schreibt, dass sie mit ihren Recherchen im Baskenland etwas in Bewegung gesetzt hat, dass jahrhunderte lang in der Gegend gelauert habe, um nun Angst unter den Dorfbewohnern zu verbreiten. Damit ihre Ergebnisse nicht in die falschen Hände fallen, datiert sie ihre Einträge in die Zukunft, von da an wurde jeden Tag ein Beitrag freigeschaltet. Anfangs erfuhren wir so etwas über Bea und ihre Familie. Ihre Eltern waren „Ärzte ohne Grenzen“ und kamen unter mysteriösen Umständen bei einem Hausbrand um, als Bea noch ein Kind war, Bea wuchs dann bei ihrer Großtante auf. Von ihrer Großtante erbte Bea nicht nur das Haus, sondern erhielt einen Brief mit Schlüssel zu einem Tresorschrank. Im Brief wird der Schrankinhalt als Bürde betitelt, die niemals mehr das Licht der Welt erblicken darf. Was Bea im Tresor fand, war ein uraltes Manuskript in einer für sie völlig unbekannten Sprache.

Nach einiger Zeit fand sie heraus, dass es sich dabei um Baskisch handelte. Sie tat sich mit der Entscheidung schwer, aber übergab dann einem Übersetzer die Aufgabe, die Handschrift zu übersetzen. Das Manuskript ist ein rund 400 Jahre altes Tagebuch eines jungen Mädchens namens Lucia. Lucia betitelt sich selbst und ihre Familie als „andere Christen“, unsere Recherchen ergaben, dass sie Unberührbare waren. Sie durften die normalen Christen nicht berühren oder durch Berührung deren Gut verschmutzen. Lucia beginnt jedoch eine Beziehung mit Xavi, einem „normalen“ Christen, welche sie natürlich geheim halten müssen. Xavi übermittelt Lucia in einer verschlüsselten Botschaft einen Treffpunkt in einer Höhle, wo sie sich regelmäßig heimlich trefen. Das geht natürlich nicht auf Dauer gut. Im Dorf brodelt die Gerüchteküche, nach einiger Zeit wird Xavi zum Unberührbaren degradiert und Lucia als Hexe angeklagt. Xavi wird die Hand abgehackt, nachdem er in der Kirche das falsche Weihwasser nutzte und er stirbt an den Folgen. Lucias Aufzeichnungen enden damit, dass der Tag ihres Hexenprozesses gekommen ist…

Aus der Datei mit der Übersetzung konnten wir den Namen des Übersetzers auslesen, mit dem dann jemand Kontakt aufnahm. Mikel, der Übersetzer, versuchte selbst vergeblich Kontakt mit Bea aufzunehmen. Sein Honorar war noch nicht ganz ausbezahlt und er hatte noch die Seite mit der verschlüsselten Textpassage. Er war bereit, sich mit Leuten von uns zu treffen, um das Dokument zu übergeben, wenn er sein Geld bekäme. Das Geld konnten wir vom Professor locker machen und so fand die Übergabe im Halbdunkel im Treptower Park Berlin statt. Per Handy-Stream und Chat wurden wir Daheimgebliebenen halbwegs auf dem Laufenden gehalten. Allerdings ging es plötzlich drunter und drüber und wir bekamen nur mit, dass einer der Mitspieler, später bekannt als Markus K., den Übersetzer samt Dokument entführte. Die restliche Gruppe wurde von einer Scharfschützin in Schach gehalten. Nachdem die Gefahr vorüber war, suchten sie den Park vergeblich nach Hinweise ab. Dann bekam aber jemand eine SMS mit Koordinaten, zu denen sie sich direkt auf machten. Dort fanden sie Mikel auf einem Boot, der freigelassen wurde, nachdem er seinen Entführern falsche Dokumente gab. Diese hatten das scheinbar schon gemerkt, denn sie näherten sich dem Boot. Einer unserer Gruppe blieb zurück, um sie aufzuhalten, während der Rest und Mikel zur Flucht ablegten. Später fanden sie an der Stelle Blut und am nächsten Tag erhielt der Professor eine MMS mit Bild von unserem toten Mitstreiter und der Aufschrift „Silentium Aureum“.

Das Ereignis hat uns zunächst sehr geschockt. Da hat sich jemand eingeschlichen, der nicht für unsere Seite gearbeitet hat. Wem sollte man jetzt noch trauen, wo war die undichte Stelle? Aber allzu viele Gedanken konnten wir darauf gar nicht verwenden, da wir doch noch den Code von Mikel bekamen und nun alle Gehirnwindungen dafür einsetzen mussten, diesen zu entschlüsseln. Die besondere Schwierigkeit bestand nicht darin, dass die Buchstaben durch Symbole ausgetauscht waren, sondern dass es obendrein auch noch ein baskischer Text war. Aber mit Hilfe von Google und diverser anderer Übersetzungstools entstand doch irgendwann ein Text. In Versform beschrieb Xavi seiner Lucia bildlich den Weg zum Treffpunkt bei einer Höhle.

Währenddessen liefen ja immer noch Beiträge in Beas Blog. Durch einen Eintrag erfuhren wir von einem noch lebenden Großonkel von Bea in Frankfurt. Der Professor bat uns, eine Truppe dorthin zu schicken. Es war wenig Zeit für Organisation, da er uns nahelegte, noch am selben Abend nach Frankfurt zu fahren. Daher konnte der Trupp vorort uns Daheimgebliebene nicht richtig mit einbinden. Erst im Nachhinein erfuhren wir also, dass Beas Großonkel tot vorgefunden wurde. In seinem Keller wurde ein Tresor entdeckt, der Blutproben und einen Stammbaum enthielt.

Professor von Balthasar hatte sich bereits einige Tage zuvor bei uns gemeldet. In Sorge um seine Studentin hat er an seiner Fakultät Gelder für eine Exkursion vom 25. bis 27.03. ins Baskenland beantragt, welche genehmigt wurde. Wir sollten uns bewerben, er wählte dann drei Begleiter aus. Es war halbwegs klar, dass diese Exkursion das Finale werden würde und so erwarteten wir alle mit Spannung das Wochenende. Leider gab es ein paar Probleme mit der Technik, so dass wir Daheimgebliebenen zwar zwischendurch kurz informiert werden konnten, aber nicht so richtig „dabei“ waren. Besonders schade war, dass wir vom richtigen Finale erst gestern Abend im Nachhinein erzählt bekamen, als die Leute von der Exkursion wieder zuhause waren. Für Bea und ihre Mitreisenden kam leider die Hilfe zu spät. Der Orden hatte sie bereits skrupellos ermordet. Letztendlich wurden unsere Leute von den Dorfbewohnern unterstützt und so wurde dann der Orden, angeführt von Markus K., überwältigt und besiegt.

Das war also der Inhalt meines ersten ARGs. Irgendwie schade, dass es jetzt schon vorbei ist, es war eine richtig schön spannende und interessante Zeit und ich hatte dadurch zu einigen sehr lieben Menschen Kontakt. Andererseits „muss“ ich mir jetzt nicht mehr den Kopf über irgendwelche Rätsel zerbrechen und habe wieder Zeit und Ruhe für andere Dinge. So hat alles irgendwie Vor- und Nachteile. Jedenfalls habe ich diesen Monat mit dem ARG sehr genossen. Ich hoffe, dass ich wieder mal an einem teilnehmen kann.
Und so sage ich „Bis bald, liebes Kaninchen!“

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