gamescom 2019

Ende August war es mal wieder so weit. Die gamescom bevölkerte die Hallen der Köln Messe und auch ich wollte mich wieder in dem bunten Trubel umsehen. Doch in diesem Jahr war ich nicht nur als Besucherin vor Ort, sondern hatte gleich zwei weitere Funktionen.

Zusammen mit einem netten Team an Indie-Entwickler*innen war ich Teil des diesjährigen InnoGames Jam. Ein Game Jam, der im Bereich der Indie Arena Booth stattfindet und zusammen mit InnoGames durchgeführt wird. Das „Motto“ für den Game Jam war Accessibility und so kam ich ins Team. Von der ersten Anfrage im Vorfeld der gamescom an, ob ich bei dem Projekt als Beraterin mitwirken möchte, wurden meine Aufgaben während des Jams immer vielfältiger. Zu Beginn, als die Grundidee für das Spiel entstanden ist, war natürlich mein Schwerpunkt darauf, das Spiel auch mit eingeschränkter Mobilität gut bedienbar zu machen. Im Verlauf der 52 Stunden, die wir Zeit hatten, unser Spiel zu bauen, kam dann noch das ein oder andere hinzu. Z. B. dass ich doch mal zwei, drei Skizzen für Level zeichnen und diese später in Unity zusammen klicken könne. Ich habe halt überhaupt keine Ahnung von sowas, aber okay, ich mache dann mal.

Jede neue Aufgabe fühlte sich anfangs erstmal nach totaler Überforderung und vor allem Überschätzung meiner Person an, aber ich wurde so lieb und hilfsbereit angeleitet und unterstützt, dass ich nicht nur ganz gut zurecht gekommen bin, sondern auch ein wenig lernen und wertvolle Erfahrung mitnehmen konnte. Unser Spiel ist auch einfach super niedlich geworden, wodurch das ganze Projekt gleich noch mehr Spaß gemacht hat.

Es wird, mit Hilfe von „Antrieb“- und „Schild“-Aliens, ein Raumschiff durch die Level gesteuert. Diese Aliens müssen beim Raumschiff auf verschiedene Plätze gesetzt werden, um die Fahrtrichtung des Raumschiffes zu steuern. Die Grafiken sind unheimlich süß geworden, aber auch der Sound ist großartig. Ein paar YouTuber haben den Aliens für kleine „Yay“-Ausrufe ihre Stimmen geliehen, was sehr cool geworden ist. Das Spiel war dann auch die letzten zwei Tage der gamescom für alle spielbar und ich hörte, es hat einigen Leuten Spaß bereitet.

Mein zweites gamescom-Projekt war ein kurzer Vortrag auf dem gamescom congress. Bei diesem Vortrag habe ich den Unterschied zwischen Accessibility-Optionen und Easy-Modes herausgearbeitet, warum es schlecht ist, diese gleichzusetzen, und dass es überaus verletzend sein kann, Leute von Spielerlebnissen auszuschließen. Der Vortrag war an meinem zweiten Tag und ich war vom ersten Tag schon ziemlich kaputt. So überlegte ich vormittags tatsächlich etwas hin und her, ob ich vielleicht besser absagen sollte. Ich war mir allerdings sehr unsicher, was jetzt eigentlich Nervosität und was tatsächliche Erschöpfung ist. Ich entschied dann, dass ich einfach nur Lampenfieber habe und nun „da durch muss“, schließlich hatte ich mich ja selbst um den Vortrag beworben und es wäre ganz schön unangebracht, auf den letzten Meter zu kneifen.

Um der aber doch auch vorhandenen Erschöpfung ein wenig entgegen zu wirken, zog ich mich vor dem Vortrag für eine knappe Stunde ins Pressecenter zurück, wo ich mir ein wenig Entspannung am Atemgerät gönnte. Das war eine gute Entscheidung. Danach fühlte ich mich fit und absolut im Stande, meinen Vortrag durchzuführen. Und siehe da: es hat wirklich alles wunderbar geklappt. Mein Publikum war gut bei der Sache und hat schön mitgemacht. Ich arbeite über viel Interaktion mit dem Publikum, damit ich kleinere Verschnaufpausen habe und nicht so lange am Stück reden muss. Ein waches und kooperatives Publikum ist daher sehr wichtig für mich und ich freue mich immer sehr, wenn das dann auch wirklich aufgeht.

Von der gamescom an sich habe ich in diesem Jahr wenig gesehen. Das fühlt sich irgendwie komisch an, da ich im Vergleich zu den letzten beiden Jahren so viel mehr Zeit dort verbracht habe. Es war aber überhaupt nicht schlimm. Ich bin einmal durch alle Hallen gegangen und habe dabei festgestellt, dass ich sehr vieles schon auf der E3 gesehen habe. Und dort tatsächlich meistens sogar irgendwie größer.

Abschließend kann ich eigentlich nur noch sagen, dass ich eine sehr spannende und ereignisreiche gamescom 2019 hatte. Sehr anstrengend obendrein. Doch für die Erfahrungen hat es sich gelohnt. Und wieder bleibt ein Gefühl von „Wer weiß, was sich daraus als nächstes ergibt“ und dieses Gefühl mag ich sehr.