THRILL ME – 06.10.2012, KATiELLi Theater Datteln

Nie wieder verspreche ich hier einen Bericht, damit habe ich mich ja selbst in Zugzwang versetzt. Nun hänge ich also schon zehn Minuten vor meinem geöffneten neuen Artikel und weiß nicht, wo und wie ich anfangen soll. Wir erinnern uns, dass dieses Problem bei mir meistens dann auftritt, wenn mich eine Show sehr begeistern konnte. So auch wieder dieses Mal. Nicht, dass mich das großartig überraschen würde, denn es war ein Stück im wundervollen KATiELLi Theater, wo ich erfahrungsgemäß mittlerweile davon ausgehe, etwas Tolles zu sehen.

Und THRILL ME war richtig toll. Manchmal braucht es nämlich für einen tollen Theaterabend nicht mehr als ein paar Holzpaletten, Klaviermusik und zwei genialen Darstellern. Dominik Schulz hatte es als Richard Loeb gar nicht schwer, mich von dessen Intelligenz und krimineller Energie zu überzeugen, obwohl ich mir das zuvor schwer vorstellen konnte. Schon in den ersten Sekunden wurde klar, dieser Richard ist ein krasser Typ, der ganz sicher vor Mord nicht zurück schreckt. Ein schauspielerisch sehr beeindruckender Moment war für mich der, wo Richard mit dem Kind spricht. Obwohl zu keiner Zeit ein Kind auf der Bühne war, hatte ich das Gefühl es sei da, weil Dominik es durch sein gelungenes Spiel greifbar gemacht hat.
Genauso stark mithalten konnte Bernd Julius Arends als Nathan Leopold. Er wechselt ständig zwischen der Gegenwart 1958 und der Vergangenheit 1924 und erzählt so in Rückblenden von den Verbrechen, die er mit Richard verübt hat. Obwohl er dabei nicht durch Kostümwechsel oder ähnliches unterstützt wird, ist immer sofort ersichtlich in welcher Zeit Nathan sich gerade befindet. Schnell wurde deutlich, dass Nathan alles dafür tun würde, um mit Richard zusammen zu sein.

Mit THRILL ME ist durch Bernd wieder ein ganz besonderes Stück ins Deutsche übertragen worden. Jeder, der es irgendwie einrichten kann, sollte nach Datteln fahren und es sich ansehen. Der Aufwand wird mit einem sehr spannenden und gelungenen Musical belohnt. Mir hat es wirklich gut gefallen und ich kann es von ganzem Herzen empfehlen.

THRILL ME – Eine Ankündigung

Heute mal ein etwas anderer Blog. Ich möchte euch auf ein kleines Stück aufmerksam machen, das ich selbst noch gar nicht gesehen habe, da es erst am 5. Oktober seine Deutschlandpremiere feiert.

THRILL ME – Die Leopold & Loeb Story

Chicago 1924 – Nathan Leopold und Richard Loeb, zwei Jurastudenten aus wohlbehüteten Elternhäusern, brauchen ständig den ganz besonderen Kick. Anfangs sind es kleinere Strafdelikte wie Einbruch, Diebstahl und Brandstiftung. Aber schon sehr bald empfindet Richard das alles als viel zu trivial. Ihm fehlt der Reiz, der Kitzel. Er plant das perfekte Verbrechen, einen Mord. Nathan, der aus Liebe alles für ihn macht, soll ihm dabei helfen. So planen sie das perfekte Verbrechen. Sind sie wirklich intelligenter als der Rest der Welt?

Die Geschichte hört sich für mich sehr spannend und vielversprechend an. Auch der Trailer macht eindeutig Lust auf mehr. So kleine Stücke mit nur zwei, drei Darstellern sind nämlich immer etwas ganz, ganz besonderes, weil man die Geschichte viel intensiver miterlebt als bei den großen Stücken. Außerdem lohnt sich ein Abend im KATiELLi Theater immer, aber das dürfte meinen Bloglesern ja mittlerweile hinlänglich bekannt sein.

Die Spieltermine sind:
Freitag, 05.10 – 20:00 Uhr (Premiere) ausverkauft
Samstag, 06.10 – 19:30 Uhr
Freitag, 12.10 – 19:30 Uhr
Samstag, 13.10 – 19:30 Uhr
Freitag, 19.10 – 19:30 Uhr
Samstag, 20.10 – 19:30 Uhr
Sonntag, 21.10 – 18:00 Uhr
Freitag, 26.10 – 19:30 Uhr
Samstag, 27.10 – 19:30 Uhr
Sonntag, 28.10 – 18:00 Uhr

Karten bekommt ihr unter 0177 9776356.

Da ich am 6. Oktober in der Vorstellung bin, wird es von mir dann wohl am Sonntag einen kleinen Bericht geben wie es mir gefallen hat. So, stay tuned 😉

King Kong – Das Musical – 04.02.2012, KATiELLi Datteln

Als ich das erste Mal gehört habe, dass King Kong das nächste Musical im KATiELLi Theater wird, dachte ich als erstes: „King Kong??? Wer will das denn sehen…?“ und war ziemlich skeptisch. Aber ich habe ein sehr großes Vertrauen in die Spielplangestaltung des KATiELLi, weshalb ich meine Bedenken schnell beiseite legen konnte. Außerdem probiere ich ja gerne Neues aus und habe Spaß an Entdeckungsreisen in der großen, weiten Musicalwelt. So dauerte es von diesem ersten Moment bis zur Kartenbuchung gar nicht lange. Dennoch blieb bis zuletzt von der anfänglichen Skepsis ein kleiner Teil über, da ich nichts über das Stück wusste und auch die Geschichte nur grob kannte. Wenn ich erzählte, dass ich demnächst King Kong als Musical sehen würde, sagte ich immer: „Ich weiß nur, dass es ein Drei-Personen-Stück ist und niemand den Affen spielt.“

Jetzt habe ich also King Kong gesehen und bin um einiges schlauer. Denn King Kong funktioniert nicht nur als Musical (sogar ohne singenden Affen), sondern passt auch noch auf so eine kleine Bühne. Wenn man es nämlich geschickt umsetzt, sind auch einer kleinen Bühne keine Grenzen gesetzt und damit meine ich gar nicht, dass teilweise auch im Gang gespielt wurde, sondern dass mit kleinen Mitteln die verschiedensten Dinge auf die Bühne gezaubert wurden. Wie hieß es gestern Abend so schön? „Da dreht man die Kiste um und hat das Empire State Building.“ Natürlich erfordert das ein gewisses Vertrauen in die Fantasie der Zuschauer, aber man muss die Leute ja auch nicht dümmer machen als sie sind. Ich freue mich immer, wenn mir noch etwas Eigenleistung abverlangt und nicht alles bis ins Detail vorgesetzt wird. Aber man kann es den Zuschauern natürlich etwas erleichtern, wenn man überzeugende Darsteller auf die Bühne stellt und auch das ist mal wieder gelungen.

So überzeugte also nicht nur Katharina Koch als Ann Darrow auf ganzer Linie. Sie macht eine Reise durch die Hochs und Tiefs menschlicher Emotionen und schaffte es durchweg in jeder Lage glaubhaft zu bleiben. Besonders bewundernswert fand ich, dass sie es geschafft hat, die Entwicklung zwischen Ann und Kong so wunderbar darzustellen, obwohl man Kong nie zur Gänze sieht und Interaktion von ihm auch beinahe nicht vorhanden ist. Auch Harald Tauber als Jack Driscoll geht durch eine Reihe an Gefühlen. Ist er zu Beginn noch ein kalter, abweisender Seemann, lässt ihn später die Entwicklung der Reise nicht mehr kalt und er schafft es sogar, die Liebe an sich heran zu lassen. Diese Wandlung war absolut nachvollziehbar gespielt und wirkte zu keiner Zeit aufgesetzt. Und zu guter letzt darf auch Bernd Julius Arends als Carl Denham nicht unerwähnt bleiben. Ich hätte nie gedacht, dass ihm eine – Verzeihung – Arschlochrolle so gut stehen könnte. Nun, da wurde ich eines besseren belehrt, denn er spielte wirklich sehr authentisch den ruhm- und geldgierigen Regisseur, der für seinen Erfolg auch über Leichen gehen würde.

Zum Abschluss kann ich also jedem nur ans Herz legen, dem Stück King Kong eine Chance zu geben und nach Datteln ins KATiELLi Theater zu fahren. Das Musical ist definitiv eine Überraschung, aber selbst wenn es nicht gefallen sollte, das Theater ist allein schon immer eine Reise wert. Also kauft euch Karten!

Wenn Rosenblätter fallen – 01.10.2011, KATiELLi Theater Datteln

Schon gestern auf dem Rückweg habe ich mich gefragt, wie ich es schaffen soll, einen Eintrag über dieses wunderschöne Stück zu schreiben. Es erscheint mir immer noch relativ unmöglich, passende Worte für den gestrigen Abend zu finden. Die Geschichte, verbunden mit der tollen Musik, hat so stark berührt und in mir gewütet, dass irgendwie alle Worte aus meinem Kopf gefegt wurden.

Ich fange mal mit einer groben Inhaltsbeschreibung an und versuche danach, etwas von meinem Eindruck wiederzugeben. Wenn Rosenblätter fallen erzählt die Geschichte von Till, der seine Mutter an eine schwere Krebserkrankung verloren hat. Till beginnt kurz nach ihrem Tod ein Studium und lernt seine Nachbarin, die Studentin Iris, kennen. Iris erinnert ihn in vielen Zügen an seine Mutter, wodurch er in Erinnerung noch einmal die schwere Zeit der Krankheit und den Moment des Todes durchlebt.

Das ist absolut kein leichter Stoff und man kann es durchaus als gewagt bezeichnen, diese Thematik als Musical auf die Bühne zu bringen. Rory Six und Kai Hüsgen ist es aber gelungen, aus diesem Stoff ein, wie Theaterbesitzer Bernd Julius Arends es zu Beginn des Abends so treffend bezeichnete, Juwel von Musical zu schreiben. Denn obwohl ich noch nie so viele Tränen verquollene Augenpaare einen Theatersaal verlassen sehen habe, konnte man aus den Gesprächsfetzen der Zuschauer durchweg nur ein Fazit entnehmen: „Schön!“ Und dieses Fazit ist mehr als berechtigt. Die Geschichte wird so einfühlsam erzählt und auch mit etwas Witz zwischendurch aufgelockert, dass sie zwar sehr berührt und aufwühlt, aber trotzdem nicht verstörend wirkt.

Damit so ein Stück richtig funktioniert, braucht man aber auch gute Darsteller. Gut war scheinbar noch nicht gut genug, denn die Besetzung ist exzellent. Ich weiß gar nicht, wen ich zuerst nennen soll, weil alle drei einfach großartig waren. Carin Filipčić als Tills Mutter Rose hat absolut überzeugend gespielt. Ich habe ihr in jeder Sekunde Roses Verfall und den Verlust an Lebensenergie abgenommen, aber auch die positiven oder ausgeflippten Momente. Sie hat mich sehr, sehr, sehr mit ihrem Können beeindruckt. Ebenso Dirk Johnston als Till, dessen Rolle nicht minder schwierig ist. Da Till sowohl in der Erinnerung an die Vergangenheit lebt, als auch in der Gegenwart, muss Dirk teilweise in Sekundenbruchteilen die Stimmung wechseln, was ihm absolut gelungen ist. Ich bin immer wieder beeindruckt, wenn so junge Darsteller schon so unglaublich gut sind. Das trifft auch auf Stefanie Köhm als Iris zu. Iris ist die Figur, die die Geschichte durch ihre quierlige Art auflockert. Ich stelle es mir schwierig vor, so zu spielen, dass es nicht zu übertrieben witzig wird, man aber trotzdem das Publikum aus der Trauer holen und zum Lachen bringen kann. Stefanie ist das gelungen, was ich sehr bewundere.

Dass Wenn Rosenblätter fallen so gut berühren konnte, lag aber sicher auch an der tollen Atmosphäre das KATiELLi Theaters. Es fühlte sich ein bisschen an wie Theater im eigenen Wohnzimmer, was nicht nur an der Größe liegt sondern ganz besonders an der Gemütlichkeit, die bis in die hinterletzte Ecke reicht. Es war erst mein zweiter Besuch im KATiELLi und trotzdem fühlte es sich sofort gut an, wieder dort zu sein. Ich freu mich schon sehr auf ein Wiedersehen!

Dem Stück Wenn Rosenblätter fallen und allen Beteiligten wünsche ich von Herzen ganz viel Erfolg. Ihr habt es so sehr verdient!

Tick, tick… BOOM! – 02.04.2011, KATiELLi Theater Datteln

Mein letzter Musicalbericht ist ja schon ein Weilchen her, in letzter Zeit hatte ich nicht so richtig viel Lust, über die Shows zu schreiben. Auch jetzt muss ich mich ein wenig zwingen, aber bei Tick, tick… BOOM! ist es mir ein wichtiges Anliegen. Denn jeder Bericht ist irgendwie auch Werbung und Werbung ist gut, in diesem Fall mache ich die sehr gerne und aus ehrlicher Überzeugung:
Fahrt alle nach Datteln, sofort! (Und nehmt mich mit…)

Eingang zum KATiELLi Theater

Ich fange mal beim Theater an. Das KATiELLi Theater (*klick*) ist nämlich jeder Rede wert, denn es ist innen drin genauso schnuckelig und niedlich wie es schon von außen wirkt. Bernd Julius Arends hat in seinem Heimatort Datteln ein ehemaliges Kino zum Theater umgebaut. Damit hat er sich nicht nur einen Traum erfüllt, sondern auch ganz tolle Arbeit geleistet. Man merkt an der Theateratmosphäre sofort, wie viel Liebe und Energie da hinein gesteckt wurden. Es ist ein kleines, kuscheliges Plätzchen, an dem man sich sofort wohlfühlt und das auch irgendwie sehr familiär anmutet. Ich war ja schon in vielen Theatern und in einigen war man auch immer bemüht, dass ich einen guten Rollstuhlplatz bekomme, aber so lieb umsorgt wie von Bernd wurde ich noch nirgendwo. Als wir ankamen, sollte ich direkt mal testen, wo ich am besten parken kann. Mein Platz neben der zweiten Reihe war mehr als super. Dadurch, dass die Bühne nicht so riesig ist und somit auch nicht so weit nach hinten geht, konnte ich problemlos alles sehen, obwohl ich leicht seitlich saß. Eine winzige Szene spielte im Gang hinter mir, so dass ich sie nur hörend verfolgen konnte (was Bernd so leid tat, dass er wohl kurz aus dem Konzept kam), aber das war gar nicht schlimm, weil mir hören in dem Fall wirklich ausreichte und ich von anderen Theatern auch schlimmeres gewohnt bin.

Nun aber mal zum Stück und den grandiosen Darstellern. Die Handlung von Tick, tick… BOOM! lässt sich schnell erzählen, trotzdem hat sie Tiefgang und wichtige Aussagen. Die Haupthandlung dreht sich um den Musicalkomponisten Jon, dessen wichtigste Bezugspersonen seine Freundin Susan und sein Mitbewohner Michael sind, was sie natürlich zu den weiteren Hauptrollen werden lässt. Jon wird als vielversprechendes Talent gehandelt, wodurch er sich selbst so unter Druck setzt, dass er in ein kreatives Loch gerät. Zudem naht sein 30. Geburtstag und er macht sich seine Gedanken ums Älterwerden. Susan ist Tänzerin und unterrichtet verwöhnte Kinder ohne Talent, sie würde gerne mit Jon aus New York fortziehen, irgendwo aufs Land. Michael hat seinen Beruf als Schauspieler aufgegeben und arbeitet jetzt sehr erfolgreich in der Marktforschung. Mit Jons Geburtstagsfeier nimmt die Geschichte ein offenes, aber trotzdem rundes Ende.
Jon wurde gespielt von Alex Melcher. Er stand eigentlich durchgängig auf der Bühne, das muss echt anstrengend sein. Die ganze Zeit über war er absolut überzeugend Jon und fiel nie aus der Rolle. Seine Stimme passt natürlich total genial zur eher rockigen Musik. Überrascht hat mich Bernd Julius Arends als Michael und „alles und jeder, männlich“. Nicht, dass ich nicht großartiges erwartet hätte, aber meine Erwartungen wurden eben noch übertroffen. Ich hatte ein paar Zweifel, ob seine Stimme zu dieser Art Musik passen würde. Völlig unbegründet, wie ich schnell merkte. Schauspielerisch saß da sowieso alles und man konnte seine einzelnen Rollen immer sehr gut auseinander halten, auch ohne die Hilfe der kleinen Accessoires. Dritte im Bunde war Vera Bolten als Susan und „alles und jede, weiblich“, die mich auch mehr als nur überzeugte. Sie hat ja in manchen Kreisen den Ruf der „Quäkstimme“, was ich echt nicht nachvollziehen kann. Ich mochte ihren Gesang nämlich sehr und empfand da auch nichts quäkiges. Ihre einzelnen Rollen hat sie auch sehr schön und deutlich ausgespielt.
Dann möchte ich noch schnell meine ganz laienhafte Meinung zu Regie und Übersetzung loswerden. Regie führte Paul Kribbe und ich würde sagen, das hat er wunderbar gemeistert. Es gab echt viele sehr gelungene Momente, in denen man merken konnte, dass auch mit wenig Bühnenbild und Requisite ganz lebendiges und spannendes Theater geschaffen werden kann. Die Übersetzung stammt von Bernd Julius Arends. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich erschaudert zusammengezuckt wäre, weil sich irgendwelche Sätze seltsam anhörten. Natürlich kann man eine Übersetzung nach einmaligem Hören nicht richtig beurteilen und ich halte mich da eh nicht für eine Expertin, aber an dem Abend empfand ich den Text durchgängig als stimmig und durchaus gelungen.

Wer jetzt Lust bekommen hat, sollte schnell zum Telefon greifen und sich Tickets sichern. Die Plätze sind zu recht sehr begehrt!