#EinfachSein – Wie ich mein Wochenende verbracht habe

Was habe ich am Wochenende so gemacht? Nun, am Samstagabend war ich in Bonn bei SnoWhite, tatsächlich meinem ersten Musical dieses Jahr. Im Moment bin ich davon noch zu verwirrt, um darüber zu berichten, aber vielleicht entwirrt sich das noch. Den Rest meines Wochenendes habe ich damit verbracht, die Blogger-Themen-Tage „#EinfachSein – Behinderungen, Medien und die Gesellschaft“ zu verfolgen. Das war eine sehr interessante Erfahrung, da jeder der rund 60 Beiträge sich vom anderen unterschied. Es gab also sehr viele verschiedene Einblicke und Erfahrungsberichte in das Leben mit den verschiedensten Behinderungen, aber auch von Eltern behinderter Kinder und von Menschen, die beruflich mit Menschen mit Behinderungen zu tun haben.

Hier kommt eine kleine Linksammlung meiner Lieblingsbeiträge:

01. März – Körper

Der E-Rolli und sein Schatten

Begegnungen

Menschen mit Behinderung im Arbeitsfeld der Heilerziehungspflege- Ansichten einer Anerkennungsjahrspraktikantin

“Hauptsache gesund – Oder: Ist ausser der Angst noch etwas zurückgeblieben?”

02. März – Sinne

Diagnose: gehindert

Wenn Behinderte Behinderte behindern … Über den Umgang mit Behinderungen

Als Sehende im Skilager der Blinden und Taubblinden

Blindleben

Wir werden ihm nicht helfen

#EinfachSein: Popo abwischen und Breifüttern – Oder doch viel mehr?

03. März – Geist und Seele

Schublade Autismus – warum es Zeit wird, aufzuräumen

Von Gemeinschaft Reden und Ausgrenzen.

Das Ich in mir

Von Medien und Schadensbegrenzung

Martina: “Im Gefängnis der Anderen”

Traumländer und Parallelwelten – ein Beitrag zu den Bloggerthementagen 2013

Wider den Reparaturwahn

Ich bedanke mich bei ALLEN #EinfachSein-Bloggern und -Twitterern, die ihre Erlebnisse mit der Welt geteilt und so die letzten drei Tage zu ganz besonderen gemacht haben. Es macht mich sehr glücklich, dass ich ein Teil davon sein durfte. Ein ganz besonderer Dank geht natürlich an Quergedachtes für die wunderbare Idee der Blogger-Themen-Tage und für die Organisation zusammen mit Autzeit und Aspergerfrauen, ihr habt etwas Großartiges auf die Beine gestellt und könnt sehr stolz auf euer Wirken sein!

DANKE!

„Schau das Mädchen im Rollstuhl dort an, sie hat es sehr schwer“ – Über Menschen mit Behinderung als Teil eines Bühnenstücks

Ich habe lange überlegt, worüber ich zu den Blogger-Themen-Tagen „#EinfachSein Behinderungen, Medien und die Gesellschaft“ schreiben soll. Mal wieder ein paar Ämtergeschichten? Das erschien mir nicht außergewöhnlich genug. Es ist doch hinlänglich bekannt, dass Menschen mit Behinderung früher oder später und meistens für den Rest ihres Lebens auf das Wohlwollen ihrer Sachbearbeiter angewiesen sind. Über meine Ausbildungsplatzsuche? Das wiederum war mir zu speziell und ich wusste auch nicht, wie ich daraus einen ganzen Artikel schreiben sollte. Somit verwarf ich beide Ideen sofort wieder und grübelte weiter. Schließlich stellte ich mir die Frage, welche Themen eigentlich meinen Blog ausmachen und da nimmt ganz klar das Musical den größten Teil ein. So wurde der erste Funken für mein Thema geboren, doch was sollte ich damit nun machen?

Gerne hätte ich die Darstellung von Menschen mit Behinderung in dem ein oder anderen Musical für die Blogger-Themen-Tage genauer unter die Lupe genommen, ähnlich wie ich es bei dem Film „Inklusion“ damals gemacht habe. Doch schon stand ich mit meiner, wie ich bis dahin noch dachte, sehr raffinierten Idee vor dem nächsten großen Problem. Welche Rollen stellen überhaupt Menschen mit Behinderung dar? Nun ja, da ist zum Beispiel Nessarose mit ihrem Rollstuhl, die Schwester der grünen Hexe Elphaba aus Wicked. Sie wird eigentlich sehr klischeehaft gezeichnet und bedient mit recht kurzer Bühnenzeit direkt viele „Behindertenvorurteile“. Ihr Vater umsorgt sie überfürsorglich, sie ist anfangs immer allein auf dem Schulhof und liest und die Einladung zur Party bekommt sie nur aus Mitleid („Schau das Mädchen im Rollstuhl dort an, sie hat es sehr schwer. Ich find es nicht fair, wir geh‘n aus und sind froh, sie ist so… oh. Weißt du, wen ich bewundern würde? Einen, der zu ihr käm, der sie mit sich nähm.„). So entwickelt sie sich im Laufe des Stücks zur verbitterten, herrschsüchtigen Persönlichkeit und wird die Böse Hexe des Ostens. Als dann ihre Schwester sie um Hilfe bittet, macht sie Elphaba Vorwürfe, dass diese ihre Zauberkräfte erst einmal dafür einsetzen solle, dass sie laufen kann („Mein Leben lang hing ich ab von dir, frag mich wer das erträgt? Mein Leben lang hing ich ab von dir und dem Scheißding, das mich bewegt. Nach Mitleid heischend, hoffte ich weinend, nur dass sich mein Bein endlich regt.„). Eigentlich mochte ich die Figur der Nessa immer sehr gerne, mittlerweile ist sie mir aber doch zu sehr mit Bitterkeit und Leid beladen und ich kann sie nicht mehr so mögen.

An dieser Stelle wäre ich dann eigentlich fertig mit meinem Beitrag. Das Phantom der Oper oder den Glöckner von Notre Dame klammere ich aus. Zum einen kenne ich die Stücke nicht gut genug, zum anderen, was für mich noch wichtiger ist, sind sie mir nicht „behindert genug“ in dem Sinne, dass die heutige Gesellschaft sie mit ihren Fehlbildungen wohl doch relativ gut aufnehmen würde. Und jetzt komme ich zu dem, was ich mit meinem Beitrag eigentlich sagen möchte: Warum gibt es nicht hier und da mal eine behinderte Rolle in einem Musical? Dabei muss es sich für mich nicht einmal um eine Hauptrolle handeln, auch wenn ich bei Romeo und Julia eine Julia im Rollstuhl sehr cool fände, allerdings müsste das Stück dann aus dem historischen Kontext gehoben werden, da es sonst reichlich unrealistisch und lächerlich wäre. Es muss auch nicht die Behinderung zu einem zentralen Thema im Stück werden. Aber wäre es nicht schön, wenn zum Beispiel eine von Sophies Freundinnen aus Mamma Mia! eine Behinderung hätte? Sie könnte ohne leidend zu sein im Rollstuhl sitzen oder vielleicht gehörlos sein, dann könnte man sogar Gebärdensprache in die Choreographien einbauen.

Ich finde, auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft ist es wichtig, dass von Kunst, Unterhaltung und Medien ein Bild von Inklusion gezeichnet und vermittelt wird. Das fängt damit an, dass Menschen mit Behinderungen bei Geschichten, die in der heutigen Zeit spielen, dazu gehören. Und es würde damit aufhören, dass solche Rollen auch von „echten“ Menschen mit Behinderung gespielt werden. Aber bis dahin ist der Weg wohl noch sehr lang.