gamescom 2017 – Gaming auf dem Weg zur Inklusion?

Drei Wochen ist es nun schon wieder her, dass sich außerhalb der Karnevals-Session haufenweise verkleidete Menschen durch die Kölner Straßen bewegten. Die meisten mit dem Ziel KölnMesse, wo die gamescom stattfand. Unter dem diesjährigen Motto „The Heart of Gaming“ sollte ein Schwerpunkt auf gemeinsamem Spielen liegen. Ein gutes Motto, um sich mal anzusehen, wie es in der Gaming-Branche so um Inklusion steht und so machte auch ich, allerdings ohne Cosplay, mich auf den Weg zur Messe.

Am Eingang bekam ich direkt einen Hallenplan für mobilitätseingeschränkte Messebesucher in die Hand gedrückt. Auf diesem Plan waren alle Behinderten-Toiletten und Aufzüge eingezeichnet, sodass ich diese nicht lange suchen musste. Den Plan konnte man vorab auch online einsehen und wäre ich mit dem Auto angereist, hätte es dort Tipps zum Parken gegeben. Der Plan war in jedem Fall eine gute Hilfe. Nun aber zu einem Kritik-Punkt: die Stände. Viele Stände hatten eine Stufe von etwa 5 cm. Das ist für meinen Rollstuhl noch zu bewältigen, schlägt mir aber trotz guter Federung so stark in Rücken und Nacken, dass ich mir spätestens nach dem dritten Mal rauf und runter überlege, ob ich mir das wirklich unbedingt ansehen will. Ein Stand, der mich interessiert hätte, hatte sogar eine noch größere Stufe, über die ich mich nicht gewagt habe. Positiv zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass eine Handvoll Stände auch Rampen angebaut hatten. Neben dem Stufen-Problem kommt aber noch hinzu, dass die Gänge innerhalb mancher Stände, also zwei gegenüberliegende Reihen mit Computern, teilweise recht eng gebaut waren und ich den Gang versperrt hätte, wenn ich frontal vor dem Bildschirm gesessen hätte. Unbeabsichtigt im Weg zu stehen fühlt sich immer ziemlich doof an.

Aber natürlich habe ich mir nicht nur die Stände an sich, sondern vor allem auch ein paar Spiele angesehen. Als erstes führte mich der Weg zu „Detroit – Become Human“. Die Szene, die ich spielen konnte, ließ sich sehr gut bedienen. Insgesamt benötigt dieses Spiel nur wenig Knöpfe und das sind für mich gerade die, an die ich gut dran komme. Es bleibt noch abzuwarten, ob an der ein oder anderen Stelle die Bewegungs-Steuerung genutzt werden muss, denn dann bin ich leider raus. Die gespielte Szene hat mir gut gefallen. Man konnte direkt merken, dass es sehr viele Möglichkeiten gibt, sie zu spielen. Ich habe mich entschieden, nur das nötigste anzusehen und dann direkt zur Geiselnahme zu laufen. Im Verlauf des Gesprächs stiegen und fielen meine Chancen auf Erfolg und letztlich habe ich auch nicht geschafft, das Mädchen zu retten. Dennoch hat der Test viel Spaß gemacht und lässt mich gespannt auf das Spiel warten.

Nachdem die erste Spielerfahrung also gut gelaufen, obgleich nicht gut geglückt, war, ging es weiter zu „Uncharted: The Lost Legacy“. Hier hat mich eigentlich nur interessiert, ob die Einstellung für Barrierefreiheit aus Uncharted 4 beibehalten wurden. Ich startete das Spiel, ging in die Einstellungen und war sehr zufrieden. Ich habe mir den Controller dann auch kurz angepasst und ein bisschen im Spiel rumgeguckt. Es ist Uncharted, da weiß man ja schon ungefähr, was einen erwartet.

Als nächstes habe ich mich einem ganz kleinen Stand zugewand, weil das Spiel einfach so niedlich aussah. In „Tamarin“ spielt man einen kleinen Tamarin mit dem man durch die Welt rennt und sie vor boshaften Eindringlingen beschützen muss. Hier hatte ich leider Probleme mit der Steuerung. Grundsätzlich war das Level für mich spielbar, eine freie Tastenbelegung hätte mir aber geholfen. Der Stand wurde vom Entwickler selbst betreut und ich habe ihn gefragt, ob er denn mal über Optionen für Barrierefreiheit nachgedacht hat. Er meinte in etwa: „Also mein Chef ist sehr engagiert dafür, der spendet jährlich an so eine Organisation (Anm: vermutlich AbleGamers) für behinderte Gamer“. Er hat aber sofort eingesehen, dass das zwar natürlich auch toll ist, konkrete Optionen im Spiel aber ebenso wichtig sind. Wer weiß, vielleicht habe ich da noch was bewegt.

Zum Schluss wollte ich mir noch die Nintendo Switch ansehen und habe mich an Mario Odyssey versucht. Als ich im Frühjahr das erste Mal von der Switch gehört habe, dachte ich, durch ihre Modularität könnte sie sehr praktikabel für mich sein. Auf der gamescom waren die JoyCons leider sehr unpraktisch festgebunden, sodass ich nicht testen konnte, wie gut ich sie auf meinem Tisch liegend bedienen kann. Ein Betreuer vom Stand hat mir einen JoyCon hingehalten und meine Assistentin den anderen bedient. Das war schon auch irgendwie eine lustige Art, gemeinsam zu spielen, aber für das, was ich eigentlich wissen wollte, nicht so hilfreich. Allerdings habe ich die JoyCons jetzt mal gesehen und gefühlt und ich denke, sie wären beim Drücken zu rutschig und zu leicht, um auf meinem Tisch vernünftig liegen zu bleiben.

Nach der gamescom habe ich noch zwei, drei Entwickler kontaktiert und mich erkundigt, wie es bei deren angekündigten Spielen um Optionen für Barrierefreiheit steht. Mein Eindruck davon und von den Kontakten auf der gamescom ist, dass noch nicht genug Bewusstsein für mögliche Barrieren vorhanden ist. Meine Fragen und Beispiele wurden ohne Ausnahme immer dankend angenommen und ich habe bei fast allen das Gefühl gehabt, dass sie ihre Spiele gerne auch für behinderte Gamer öffnen möchten. Ich werde also weiterhin digital an die Türen klopfen und auf meine Probleme bei der Steuerung hinweisen, denn nur so können die Entwickler lernen, wo Barrieren liegen.

Die Umwege des Lebens

Liebe Vergangenheits-Melly,

es ist jetzt 2017. Das heißt, bald ist es zehn Jahre her, dass wir unser Abitur gemacht haben. Vor zehn Jahren wusstest du schon ganz genau, wie es für dich weiter gehen sollte. Du würdest dich an der Dortmunder Uni in Statistik mit dem Nebenfach Theoretische Medizin einschreiben und nach einem erfolgreichen Studium in die medizinische Forschung gehen. Da wolltest du hin. Eigentlich wolltest du dafür gerne Biologie studieren, aber von einigen Seiten wurde dir davon abgeraten. Aufgrund deiner Behinderung könntest du keine Experimente selbst durchführen, das wäre doch frustrierend und langweilig. Obwohl du schon damals Gegenbeispiele kanntest, haben dich die Zweifel der anderen verunsichert und du wolltest schließlich mit Statistik einen alternativen Weg gehen.

Das war auch keine schlechte Idee! Du wirst noch sehen, dass Umwege auch sehr erfüllend sein können und in jedem Fall immer bereichern. Nach nur wenigen Wochen der Statistik wurde aber klar, dieser Weg ist nicht deiner. Du hast von der Uni-Mathematik so wenig verstanden und der Gedanke, dich mindestens drei Jahre lang damit beschäftigen zu müssen, bereitete dir innerliche Schmerzen. Du fühltest dich als Versagerin. Jeder hat dir das Studium zugetraut und nun würdest du all diese Menschen enttäuschen und ihnen sagen müssen, dass du zu dumm bist. Nein, Vergangenheits-Melly, das hat nichts mit Versagen oder Dummheit zu tun. Bei den vielen Möglichkeiten, die man nach dem Abi hat, ist es völlig in Ordnung, etwas auszuprobieren und festzustellen, dass es das nicht ist. Deine Entscheidung gegen die Statistik war genau richtig. Du hättest dich nur gequält und dabei so viel schönes im Leben verpasst.

Nun war also klar, mit Statistik geht es nicht weiter. Was dann? In deiner freien Zeit direkt nach dem Abi hattest du ein neues Hobby für dich entdeckt: Webseitengestaltung. Du wusstest aber, dass du bei weitem nicht gut genug warst, um bei einem Design-Studium die Aufnahmeprüfung zu schaffen. Also hast du wieder nach verwandten Studiengängen gesucht. Bei der Suche hast du den Studiengang Online-Redakteur in Köln entdeckt. Der hat dich gleich in vielerlei Hinsicht angesprochen. Du würdest dort Webdesign und Webprogrammierung lernen und geschrieben hast du schon immer gerne (Speichere unbedingt Aquantansia doppelt oder dreifach, ein Virus wird die Geschichte sonst zerstören!). Und das beste: Du könntest zurück ins Rheinland, wo deine Assistenz nicht im Drei-Schichtsystem laufen müsste.

Enthusiastisch und voller Motivation bist du dann in den zweiten Studienversuch gestartet. Spoiler: Das war’s auch nicht. Das erste Semester hat dir noch sehr gut gefallen. Es gab viele praktische Inhalte, die du gut umsetzen würdest. Doch in deinem Praktikum in den ersten Semesterferien kam die erste große Ernüchterung. Du hattest nicht nur ewig nach einem Praktikumsplatz gesucht, die Redaktion, in die es dich dann verschlagen hat, erfüllte auch noch alle Beispiele einer schlechten Online-Redaktion. Erste Zweifel stiegen in dir auf, ob das wirklich das ist, was du in Zukunft machen möchtest. Kurz vor Ende des Praktikums dann auch noch ein privater Tiefschlag: dein Papa hatte einen Schlaganfall. Du bist stark, versuchst so gut du kannst, auf eigenen Beinen zu stehen und deine Mama zu entlasten, aber du brauchst lange, um das richtig zu verarbeiten.

Vom zweiten Semester hast du nicht viel mitbekommen. Du bist in die Uni gegangen, hast dort deine Zeit abgesessen, aber viel hängen geblieben ist nicht. Und trotzdem waren diese Anwesenheitstage schon unheimlich anstrengend für dich und du lebtest nur noch an den Wochenenden. Deshalb hattest du am Ende des Semesters einen Termin bei der Studiengangsleitung, um deinen weiteren Studienverlauf zu planen. Es stand immer fest, dass du erfolgreich studieren würdest und einmal hattest du schon abgebrochen, also musste das doch jetzt klappen. Ihr habt besprochen, dass du dich erstmal von der großen Klausur abmeldest und im nächsten Semester nicht dem ganzen Stundenplan folgst.

Mit neuem Mut bist du in das nächste Semester gestartet, doch irgendwie hat dich das Studium nicht mehr richtig packen können. Der Gedanke, dass das System Studium nicht zu dir passt, wurde immer lauter und lauter bis du an den Punkt gelangt bist, wo du dir gesagt hast: „Okay, dann suchst du dir eben einen Ausbildungsplatz!“ Das Studium hast du trotzdem noch in reduzierter Form weitergeführt, da du wusstest, dass du es mit der Suche nach einem Ausbildungsplatz sehr schwer haben würdest.

Du wolltest eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich beginnen. Dein Ziel war damit dann später an einem Theater oder zumindest irgendwo im Bereich kulturelle Veranstaltungen zu landen. Du hast dich deshalb lange Zeit nur auf sehr spezifische Ausbildungen für diesen Bereich beworben. Erfolgreich warst du mit der Taktik nicht und so wurde absehbar, dass du das Studium abbrechen musstest, bevor du einen Ausbildungsplatz hattest. Glücklicherweise hast du von der einjährigen Höheren Handelsschule für Abiturienten gehört und dich im Anschluss an das Studium erstmal dort angemeldet.

Die Zeit auf der Höheren Handelsschule hat dir gut getan. Du hast gemerkt, dass die kaufmännischen Inhalte dir Spaß machen und du hast endlich wieder etwas richtig gekonnt. Schnell hast du festgestellt, dass Schule und Praxis der richtige Weg für dich sein werden. Da die Zeit drängte, hast du dich mittlerweile entschieden, dich auch auf allgemeinere Ausbildungen wie Industrie- oder Bürokauffrau zu bewerben. Dein Plan war, dich nach der Ausbildung dann weiter zu qualifizieren und quer in den Veranstaltungsbereich einzusteigen.

Etwas mehr als zwei Jahre nach deiner ersten Bewerbung für einen Ausbildungsplatz, hast du eine Zusage bekommen. Der DAAD würde dich zur Bürokauffrau ausbilden. Du warst überglücklich, endlich nicht mehr bangen zu müssen. Obwohl der DAAD als „sowas wie eine Behörde“ eigentlich so gar nicht deinem Ziel entsprach, hast du dich auf die Ausbildung gefreut und konntest den Start gar nicht abwarten. Als es endlich los ging, wurdest du als erste Ausbildungsstation in einem sehr lieben Team eingesetzt, das dich vorbildlich aufgenommen und angeleitet hat. Du hast dich von Anfang an sehr wohl gefühlt und warst nach all der Zeit endlich „angekommen“. Es folgten auch ein paar langweilige Einsätze, wo du monatelange Adressen hin und her kopieren musstest, aber die Zeiten hast du gut überstanden. Zum Ende deiner Ausbildung hat dich das erste Team dann angefordert, dort solltest du nach deiner Ausbildung eingestellt werden. Das war für dich das perfekte Ende eines sehr langen Weges.

„Doppelt anders sein“ – Gastbeitrag von Zoë Bakker

Zoë Bakker, eine Freundin von mir, hat gerade auf ihrem Blog „Lazy Legs Diary“ einen sehr schönen Artikel über „Doppelt Anders Sein“ veröffentlicht. Da ich finde, dass der Text eine starke Message trägt und vielen helfen kann, habe ich sie gefragt, ob ich ihn übersetzen und mit euch teilen darf. Netterweise hat Zoë mir das erlaubt und ich möchte gar nicht weiter schwafeln, sondern den Text für sich selbst sprechen lassen:

Ich finde es sehr spannend, diesen Blog zu veröffentlichen, weil er sehr persönlich ist. Meine bisherigen Blogs gingen natürlich auch über mich und mein Leben, aber dieser fühlt sich an, als ob ich mich nackt mache, haha!

Dieser Blog gibt einen Einblick in einen jahrelangen Kampf mit mir selbst. Warum ich diesen Blog schreibe, fragst du dich jetzt vielleicht? Ich sehe es ein bisschen als eine Verarbeitung, als Abschluss einer Phase, und wenn ich auch nur einer Person damit in irgendeiner Weise helfen kann, ist mir das sehr viel wert.

Schon im sehr jungen Alter war ich mir der Tatsache bewusst, dass ich im Rollstuhl saß und dass mich Menschen in meiner Umgebung deshalb als „anders“ betrachteten. Wer war das verträumte, schüchterne, ruhige Mädchen in dem seltsamen Karren, sollen die Leute wohl oft gedacht haben.

Durch meinen Gedanken, dass ich anders war, hatte ich früh das Gefühl, dass ich mich beweisen muss. Ich fühlte mich immer, als ob ich mir ein Bein ausreißen müsste, als ob ich gerade ein bisschen mehr als mein bestes tun müsste und dann konnte ich doch immer noch nicht mithalten.

Ich war oft über mich enttäuscht und mit der Enttäuschung bestätigte ich meine eigenen Gefühle, dass ich in der Tat „anders“ war. Ein gesundes Kind könnte doch all diese Dinge tun (zum Beispiel im Sandkasten oder bei Freundinnen Zuhause spielen, mit Freunden schwimmen gehen) und mein seltsamer Körper ließ mich immer wieder im Stich.

Viele Jahre hat mich das Gefühl, durch meine Behinderung anders zu sein und nicht dazu zu gehören, nicht losgelassen. Ich konnte meine Behinderung nicht überwinden und dachte, dass jeder mich durch die Behinderung seltsam fand. Ich konnte nicht wirklich damit umgehen.

Das Gefühl wurde intensiver, als ich in meiner Jugend herausfand, dass ich wahrscheinlich auf Frauen stehe. Im Rollstuhl sitzen und sich zu Frauen hingezogen fühlen? Das konnte einfach nicht wahr sein? In meinen Augen war das zu dieser Zeit das Schlimmste, das Schrecklichste, was mir passieren konnte. Wie viel Pech konnte ich haben? Mit dem sche*ß Rollstuhl schien es mir eh schon eine unmögliche Aufgabe, eine Beziehung zu haben, aber dann muss es auch noch eine Frau sein .. wie das?

Stunden habe ich weinend in meinem Zimmer gesessen und mich vor allem sehr einsam gefühlt. Ich hatte das Gefühl, nirgends mit meinem „Problem“ hingehen zu können. Ich kannte niemanden, der mit den gleichen Gefühlen zu kämpfen hatte und dachte, dass ich die einzige war. Und vor allem dachte ich, ich sollte mich nicht so anstellen und das würde schon alles wieder vorbei gehen (what was I thinking?).

Sehr lange habe ich da so wenig wie möglich drüber nachgedacht, manchmal ließ ich die Gefühle und Gedanken wieder zu, um sie dann wieder eiskalt weg zu schieben. Ich war so enttäuscht von mir. Warum machte ich es mir selbst so schwer? Warum konnte ich nicht einfach „normal“ sein? Warum musste ich jetzt doppelt anders sein?

Eine lange Zeit wollte ich keine Gefühle für egal wen haben, aber nach einer kurzen Beziehung mit einer Frau war ich sicher. Es gab kein Zurück mehr. Dennoch nagte etwas an mir, das starke Gefühl, dass ich nicht anders sein wollte. Wenn ich hart versuchen würde, meine Gefühle zu ignorieren, dann würde das sicher vorüber gehen?

Ich habe aus Verzweiflung versucht mit einem schönen, süßen Kerl eine Beziehung einzugehen und habe mein allerbestes gegeben, verliebte Gefühle für ihn zu entwickeln. „Leider“ blieben die Schmetterlinge aus, egal wie hart ich versuchte, mein Bestes zu gegeben. Ich könnte auch weiterhin leugnen, was ich wollte, aber ja, das Fazit bleibt: Ich stehe wirklich auf Frauen. 

Es hat mich danach noch Monate von kämpfen, weinen, Einsamkeit und Unsicherheit gekostet, bevor ich endlich gewagt habe, ich selbst zu sein und meiner Neigung gegenüber offen zu sein.

In meinem Kopf war es so ein großes Problem, dabei ist es das in Wirklichkeit gar nicht. Kurz nachdem ich es für mich selbst angenommen habe, traf ich Anja. Sie nahm alle meine Unsicherheiten und lehrte mich, dass ich mehr bin als der  Rollstuhl und ja, ich zufällig auf Frauen stehe, aber who cares? Ich darf so sein. Mit meinem Rollstuhl und meiner Liebe für eine Frau ❤️

Zwei Wochen Frankreich – zwischen Pandas, EM und Disney-Zauber

Letztes Jahr, es war auch irgendwann im Sommer, hörte ich im Radio, dass bald das Portal für Tickets für die Fußball-EM geöffnet werde. Wegen Daniel hatte ich 2014 die WM verfolgt und viel Spaß dabei, so kam der fixe Gedanke, wir könnten ja zusammen zu einem EM-Spiel fahren. Ich fragte ihn also, ob er Lust darauf hätte, sich mit mir ein Spiel in Frankreich anzusehen. Er hatte nicht sonderlich viel Hoffnung, dass wir Tickets bekommen würden und so hielt sich seine Begeisterung in überschaubaren Grenzen, ich hatte aber seine Zustimmung, unser Glück zu versuchen.

Da ich unsere Chancen auch nicht so hoch einschätzte, zog ich für vier Spiele ein Los. Zwei aus der Gruppenphase, das Viertelfinale und das Finale. Einige Wochen später kam dann die Mail: wir durften für alle vier Spiele Tickets kaufen! Da wir nicht alle Spiele wahrnehmen konnten und wollten, entschieden wir uns für Viertelfinale und Finale. Beide Spiele fanden im selben Stadion statt und lagen nur eine Woche auseinander, sodass sie sich gut in einem Urlaub verbinden ließen. Ich wollte gerne noch eine Woche Urlaub nach der EM anhängen, um noch etwas Frankreich und Urlaub ohne Fußball zu erleben und so stand schon sehr früh der Plan für unseren Sommerurlaub.

Die Zeit bis zur Reise verging dennoch sehr schnell. Mit einem vollgepackten Auto machten wir uns auf den Weg in die französische Pampa, wo wir eine Ferienwohnung in einem Dörfchen umringt von Kornfeldern bezogen. Landschaftlich eine wirklich schöne Gegend, aber auch absolut abgelegen. Zum nächsten großen Supermarkt waren es schon 15 km.

Der erste Tag stand dann schon ganz im Zeichen der EM und des Viertelfinales Island – Frankreich. Früh machten wir uns auf den Weg Richtung Stade de France, Saint-Denis, denn unsere Unterkunft lag etwa zwei Stunden Fahrtzeit entfernt. Nachdem wir am Zielort etwas gegessen hatten, machten wir uns auf den Weg ins Stadion. Schon vor der Kontrolle wurden Volunteers auf uns aufmerksam und eine begleitete uns von dort durch die Menschenmassen und bis zum Platz. Das war ein sehr guter Service, denn ein Stadion, wo 81.000 Menschen rein passen, ist unglaublich groß. Unsere Plätze waren sehr gut. Nicht ganz unten, sodass wir einen guten Überblick hatten, aber auch nicht zu weit weg.

Ein paar Tage später sind wir dann in einen Zoo gefahren. Ich hatte vor der Reise im Internet gelesen, dass sie dort Pandas haben und das konnten wir uns unmöglich entgehen lassen. Der Zoo lag auch wieder zwei Stunden entfernt. Für mich war es einer der schönsten Zoos, die ich bisher besucht habe. Sehr groß und schön zum Durchspazieren und auch sehr gute und liebevoll gestaltete Gehege.

Als nächster Tagesausflug stand Orléans auf dem Programm. Das lag nämlich ausnahmsweise nur eine Stunde entfernt. Dort fanden wir direkt an der schönen Saint-Croix Cathédrale einen Parkplatz und besichtigten als erstes die Kathedrale. Danach machten wir uns auf die Suche nach Jeanne D’Arc und besichtigten die Stadt.

So schnell war auch schon die erste Woche vorbei. Wie bereits am Sonntag zuvor ging es also wieder früh nach Saint-Denis, wo uns ein sehr spannendes Finale zwischen dem Gastgeber Frankreich und Portugal erwarten sollte. Auch bei diesem Spiel fand sich wieder schnell ein Volunteer, der uns zum Stadion „eskortierte“. Dieses Mal wurden wir nicht ganz bis zum Platz gebracht, hatten aber dennoch keine Probleme, ihn zu finden.

In der zweiten Woche war nur noch ein Ausflug geplant. Ich wollte mir einen Kindheitstraum erfüllen und ins Disneyland fahren. Und es war gigantisch. Ich bin ohnehin der Meinung, dass man für Disney nie zu alt ist und es gab auch tatsächlich viel zu sehen, auch für erwachsene Besucher. Abgesehen von den Shows bin ich aber sogar bei einem Fahrgeschäft mitgefahren und das war echt witzig und ziemlich cool!

Ich hoffe, aus den Bildern und meinem Bericht, könnt ihr erkennen, dass wir einen sehr schönen und erfüllenden Urlaub hatten. Es war eine gute Mischung aus Unternehmungen und Zeit für Zweisamkeit, die wir ebenso genossen haben.

Wie ich mir #Minecraft barrierearm machte

Ich bin wahrlich nur ein Gelegenheits-Zocker, daher bin auch sehr spät damit, mich mal mit Minecraft zu beschäftigen. Immer mal wieder hatte ich den Gedanken, mir das mal anzusehen und habe es dann aber doch nicht gemacht. Irgendwie war ich mir nicht sicher, ob ein Spiel, wo man „einfach durch die Gegend rennt, Höhlen gräbt und Hütten baut“ wirklich so interessant sein kann. Und doch, vor etwa drei Wochen habe ich es endlich mal installiert und ganz gespannt eine Welt eröffnet.

Screenshot eines Twitter-Status

Die Spannung hielt nicht lange an, als ich feststellte, dass Minecraft die Maus im Fenster gefangen hält. Ich konnte mich auf der Stelle drehen, kam aber weder vor noch zurück, da das Spiel hierfür eine Tastatureingabe erfordert. Aufgrund meiner Muskelerkrankung, der Spinalen Muskelatrophie, kann ich den Computer allerdings nur über die Maus bedienen. Ich kann auch mal eine einzelne Taste auf der Tastatur drücken, wenn diese nicht zu weit weg ist, aber für ein Spiel oder gar Texte reicht das nicht. So schnell wollte ich das Projekt Minecraft jedoch nicht aufgeben.

Ich erinnerte mich an eine App, die ich früher mal auf meinem iPhone 4 hatte – sicher gibt es Vergleichbares auch für Android. Mit der App TouchMouse von Logitech kann man über das Touchscreen vom Handy Maus und Tastatur des Computers bedienen, wenn man auf diesem vorher die Empfänger-Software installiert hat und beide Geräte mit dem gleichen WLAN verbunden sind.

Screenshot der App TouchMouse

Also installierte ich schnell die App auf meinem aktuellen iPhone und den Empfänger auf meinem Computer und… kam immer noch nicht vom Fleck! Die App schickt scheinbar nur einen sehr kurzen Tastendruck, der zwar zum Beispiel für das Öffnen des Inventars mit E reicht, nicht aber für Laufen oder Springen. Diese Erkenntnis hat mich immerhin gedanklich einen Schritt weiter gebracht.

Die Steuerung von Minecraft kann man sehr individuell anpassen. Also begab ich mich in die Einstellungen. Klar war, dass die wichtigsten Funktionen bzw. solche, die einen längeren Tastendruck erfordern, auf die Maus gelegt werden mussten. So entschied ich mich dafür, die linke Maustaste für Vorwärts zu verwenden. Auf die rechte Maustaste legte ich Springen und in die Mitte Angreifen/Abbauen. Die Funktion Benutzen/Platzieren läuft über die App auf meinem Handy, da hierfür ein kurzer Tastendruck reicht und die Funktion weniger häufig gebraucht wird als die anderen.

Und siehe da: Ich konnte plötzlich laufen und springen! Nach einer Weile durch die Gegend laufen und eine Ebene für mein Häuschen platt machen stellte ich jedoch fest, dass auch diese Steuerung noch nicht ideal ist. Die mittlere Maustaste bei meiner Maus geht einiges schwerer als die anderen beiden und es wurde auf Dauer ziemlich anstrengend, die Blöcke abzubauen. Also tauschte ich fürs nächste Mal die mittlere und rechte Maustaste.

Screenshot von den Steuerungseinstellungen

Screenshot von den Steuerungseinstellungen

Nun ging zwar Abbauen wesentlich besser und ermüdungsfreier, dafür bekam ich beim Springen Probleme. Da die Taste deutlich schwerer geht und man Springen und Laufen gleichzeitig drücken muss, um irgendwo hoch zu kommen, ist es für mich immer ein kleiner Akt von Finger-Akrobatik, eine Stufe zu erklimmen. Das ist so lange in Ordnung, wie ich irgendwo etwas ab- oder aufbaue, aber wenn ich die Gegend erkunden will, ist das wieder sehr anstrengend.

Weil mir schon im Vorfeld klar war, dass ich nicht sofort voll durchstarten kann, spiele ich im Kreativ-Modus auf friedlich. Das ist für mein Spring-Problem auch eine gute Lösung. Rund um mein Häuschen bzw. das, was es mal werden soll, habe ich kleine Treppen verteilt, damit ich dort schon mal nicht mehr springen muss.

Screenshot der Spielansicht

Solange ich mich da mit Bauen beschäftige, läuft es dann ganz gut. Wenn ich los laufen und mich im weiteren Bereich der Welt umsehen möchte, werde ich wieder mittlere und rechte Maustaste tauschen. Das ist natürlich ein wenig umständlich, aber immerhin habe ich es überhaupt geschafft, Minecraft auf meine Möglichkeiten anzupassen.

Manchmal muss man eben eine Weile probieren, bis man seinen Weg gefunden hat.

#ZiemlichbesteAssistenz Challenge

Seit einigen Tagen läuft auf Facebook und ein bisschen auch auf Twitter die #ZiemlichbesteAssistenz Challenge. Eine Challenge, bei der Menschen mit Behinderung in kurzen Videos zeigen, warum für sie die Assistenz so wichtig ist.

#‎ZiemlichbesteAssistenz‬ Challenge!
Menschen mit Behinderung brauchen persönliche Assistenz, um selbstbestimmt leben zu können. Aktuell wird ein Gesetz verhandelt, bei dem sich Verschlechterungen für die Assistenz abzeichnen. Mit dieser Challenge möchten wir zeigen, wie wichtig Assistenz für uns ist und wieviele Jobs an diesem Thema hängen. Deswegen: Mach ein kurzes Video (Max. 15 Sekunden), in dem Du zeigst, was Du nur mit Assistenz tun kannst. Danach nominierst Du 5 weitere Personen mit Assistenzbedarf oder Personen, die als Assistenten arbeiten. Wenn Du AssistentIn bist, machst Du ein Video, das zeigt, was der Job für Dich bedeutet.
‪#‎mitAssistenz‬

Der Umgang mit dem Thema ist unheimlich kreativ und es sind schon sehr viele tolle Videos entstanden. Auch ich habe mich natürlich schon beteiligt. In meinem Video geht es darum, dass mir viele meiner Musical-Abenteuer nur möglich waren, da ich mit Assistenz lebe. Doch hört Assistenz damit noch lange nicht auf, sie ermöglicht mir in allen Lebensbereichen ein komplett selbstbestimmtes Leben. Aber was ist ein selbstbestimmtes Leben eigentlich?

Nun, spielen wir doch einfach mal einen ganz normalen Tag durch. Die erste Entscheidung des Tages lautet: wann möchte ich aufstehen? Durch meine persönliche Assistenz bin ich an Wochenenden völlig frei in der Entscheidung. Unter der Woche muss ich natürlich meinen Arbeitsplatz pünktlich erreichen, durch die Gleitzeit habe ich aber auch da einen gewissen Spielraum. Hätte ich keine Assistenz oder müsste mir diese mit anderen Assistenznehmern teilen, wie es das neue Gesetz vorsehen könnte, wäre die Entscheidung daran gebunden, wann jemand Zeit dafür hat, mich aus dem Bett zu holen. Das kann bedeuten, dass ich an Wochenenden sehr früh aufstehen müsste oder dass ich unter der Woche erst so spät an der Reihe bin, dass ich nicht rechtzeitig zu meiner Arbeit komme.

Als nächstes steht in der Woche der Weg zur Arbeit an. Da meine Assistentinnen mich mit meinem Auto zur Arbeit fahren, wäre ich ohne Assistenz auf einen Fahrdienst angewiesen. Ein Fahrdienst ist wiederum ein erheblicher Einschnitt in meine Spontaneität, denn die Fahrten werden im Voraus geplant. Ich könnte also nicht mal etwas länger arbeiten, weil gerade viel los ist oder Kollegen vertreten werden müssen. Auch könnte ich nicht meine Gleitzeit ausnutzen und früher Feierabend machen oder eher gehen, wenn ich mich krank und nicht gut fühle.

Auf der Arbeit geht der Einsatz der Assistenz weiter. Die Assistentin muss mich „einstempeln“ und mit dem Aufzug zu meinem Büro fahren. Ohne Assistenz wäre ich darauf angewiesen, dass gerade im richtigen Moment hilfsbereite Kollegen vorbei kommen. Diese Abhängigkeit von den Kollegen würde sich durch den ganzen Tag ziehen: Türen öffnen, Computer einschalten, Büro lüften, Blätter aus dem Drucker holen etc. Da ich während der Arbeit auch mal zur Toilette muss, würde hierfür eine Pflegeperson kommen. Die kommt jedoch nicht genau dann, wenn ich gerade muss, sondern zu der Zeit, wo der Einsatz bei mir schon viele Tage bis Wochen im Voraus geplant worden ist.

In meiner Freizeit, sei es nun nach der Arbeit oder an freien Tagen, kann ich ebenfalls nur mit persönlicher Assistenz selbstbestimmt leben. Möchte ich heute frisch kochen? Muss ich dafür noch einkaufen? Mit Assistenz kann ich einkaufen und kochen, wann und worauf ich gerade Lust habe. Ich bin nicht davon abhängig, wann jemand Zeit hat, mich beim Einkaufen zu begleiten und für mich zu kochen. Außerdem kann ich mich mit Assistenz spontan mit Freunden verabreden, denn es ist sofort jemand da, um mich für das Treffen fertig zu machen und zum Treffpunkt zu bringen. Ohne Assistenz müssten meine Freunde immer zu mir kommen und mich abholen. Und viele meiner Reisen wären ohne Assistenz überhaupt nicht möglich.

Am Ende des Tages stellt sich noch eine allerletzte Frage: wann möchte ich schlafen? Mit Assistenz liegt die Entscheidung ganz bei mir. Gehe ich erst ins Bett, wenn ich müde bin, oder schon dann, wenn es „vernünftig“ wäre, da ich am nächsten Tag früh raus muss? Vielleicht habe ich auch gerade ein interessantes Video gefunden, das ich noch zu Ende anschauen möchte. Ohne Assistenz wäre es hier wie morgens beim Aufstehen, ich müsste mich nach den Zeiten richten, die für mich vorgesehen sind. Ich muss also schon ins Bett, obwohl ich gerade einen spannenden Film gucke. Oder ich muss hundemüde durchhalten, bis endlich jemand da ist, um mich bettfertig zu machen.

Nachts lasse ich mich in unregelmäßigen Abständen drehen. Ich werde wach, es zwickt mich irgendwo, ich gebe der Assistentin Bescheid und sie lagert mich um. Ohne Assistenz gibt es Lagern nur nach Zeitplan. Ob ich dann gerade fest schlafe oder mich schon seit längerem etwas drückt, kann dabei nicht berücksichtigt werden.

Ohne Assistenz würde ich bei Freunden und Kollegen zum Bittsteller. Ohne Assistenz wäre ich immer an vorgegebene Zeiten gebunden. Ohne Assistenz wäre das Leben weniger bunt.

Nur individuelle, persönliche Assistenz ermöglicht eine gleichberechtigte, selbstbestimmte Teilhabe!

#rp15 – Eindrucksvolle Tage in Berlin

Wie schon vor zwei Jahren war ich auch in diesem Jahr wieder auf der re:publica. Beim letzten Mal habe ich es nicht auf die Reihe bekommen, noch darüber zu bloggen, das möchte ich in diesem Jahr besser machen.

Ich hatte mich wieder als Helferin angemeldet und so begann die re:publica für mich damit, die Besucher am ersten Tag mit Programmheften und Zeitungen zu versorgen und ihnen bei Fragen zur Seite zu stehen. Da ich mich direkt am Eingang positionierte, konnte ich wunderbar die vielen Leute beobachten, die den Innenbereich betraten, und schon in den ersten Stunden die Vielfalt der Besucher bewundern und genießen. Diese Vielfalt ist für mich – und wenn man sich andere Berichte ansieht, auch für viele andere – der besondere Spirit, der die re:publica ausmacht. Es ist unmöglich, hier die ganze Bandbreite an unterschiedlichen Merkmalen darzustellen, daher möchte ich mich auf etwas beschränken, das mir persönlich am Herzen liegt.

Viele der Besucher haben sichtbare Behinderungen, aber auch auf den Bühnen sind Menschen mit Behinderung und sogar im Rollstuhl nichts Ungewöhnliches. Auch das Publikum scheint das so zu sehen, denn man fühlt sich zu keiner Zeit wegen seiner Behinderung angestarrt oder ausgegrenzt. Die Organisatoren der re:publica sorgen für sehr gute Barrierefreiheit. Einige Beiträge werden mit Gebärdensprachdolmetschern oder Live-Untertiteln für Gehörlose übersetzt, Bühnen werden bei Bedarf oder dauerhaft mit Rampen ausgestattet und alle Bereiche sind stufenfrei befahrbar. Und dass ich bereits ein zweites Mal als Helferin angenommen wurde, spricht auch nicht zuletzt dafür, dass die Teilnahme von Behinderten in allen Bereichen der re:publica nicht nur gewünscht sondern auch gefördert wird. Dennoch bleibt für mich ein Wunsch (meckern auf sehr hohem Niveau, yeah!) hier offen: ich würde mich sehr über behinderte Speakerinnen und Speaker freuen, die über Themen gänzlich ohne Behinderungsbezug reden!

Ähnlich vielfältig wie das Publikum ist auch das Programm. Ich glaube, wirklich jeder kann hier Themen finden, die ihn interessieren. Die einen finden vielleicht ein paar mehr, die anderen weniger, aber es ist doch für alle etwas dabei. Da ich die re:publica aus rein privatem Interesse besuche, konnte ich mir eine bunte Mischung an Sessions ansehen, ohne einen Schwerpunkt auf einen Bereich zu legen und so reichten meine Session von Inklusion über Bildung und Gesundheit bis hin zu Interkulturellem, aber auch von der Partnerveranstaltung Media Convention habe ich mir etwas angesehen. Zuhause habe ich mir im Nachgang zur re:publica dann noch ein paar Mitschnitte von Sessions angesehen, die ich verpasst hatte. Einige Mitschnitte möchte ich euch empfehlen:

Allein an dieser ganz kleinen Auswahl wird schon deutlich, dass sehr viele Bereiche auf der re:publica von Bedeutung sind. Einer der Gründe, warum es so schwierig ist, jemandem kurz und knapp zu erklären, was die re:publica eigentlich ist. Die Organisatoren selbst nennen sie eine Konferenz, aber das klingt irgendwie staubig und steif und trifft für mich daher nicht den Charakter der Veranstaltung. Ich habe für mich irgendwann während der Veranstaltung beschlossen, dass ich sie eher ein Festival nennen würde, da es einfach auch ein reichhaltiges Rahmenprogramm gibt. Hier möchte ich die Live-Musik der Busker Diaries im Innenhof nicht unerwähnt lassen. Jeden Tag traten grandiose Berliner Straßenmusiker auf und spielten ihre Musik. Das ganze wurde wie ein Offline-Crowdfunding aufgezogen und gegen eine Spende konnte man verschiedene Dankeschöns erhalten. Eine sehr tolle Idee.

Zum Abschluss bleibt eigentlich nur noch eines zu sagen: Ich komme ganz sicher wieder! Sehr gerne ein weiteres Mal unterstützend als Helferin, aber sollte das nicht klappen, dann auch ebenso gerne als „normale“ Besucherin.

Wie sieht’s denn hier aus?

Nicht erschrecken! Ja, optisch ist gerade alles etwas anders und gewöhnungsbedürftig. Für mich auch, das gebe ich zu. Und ich bin deshalb gerade so aufgeregt und glücklich!

Dieses Design soll nur für den Übergang dienen, ich bin nämlich heute mit dem Blog umgezogen. Ab heute benutze ich ein selbst gehostetes WordPress, YAY! Und das heißt, demnächst wird es auch ein ganz eigenes, individuelles Design geben, woohuuu! Ach, ich freue mich so, mal wieder ein bisschen mehr als Online-„Profi“ austoben zu können. Ich muss jetzt auch weiter im Backend herumspielen gehen und all die Möglichkeiten entdecken, die ich nun habe. Seid gespannt auf das, was hier noch folgen mag!

No Day But Today

Als musikalische Untermalung für diesen Beitrag habe ich eine Empfehlung für euch.

Ich habe mich gestern tätowieren lassen und bin sooo glücklich damit! Der Gedanke an ein Tattoo hat mich schon seit ein oder zwei Jahren immer mal wieder durchkreuzt, aber ich habe mich aus verschiedenen Gründen, hauptsächlich weil ich keine konkrete Idee hatte, nie weiter darauf eingelassen. In den letzten Wochen hat er mich dann aber doch immer mehr gepackt und nicht mehr los gelassen. Ich hatte mit einem Mal eine sehr genaue Vorstellung davon, was es werden sollte und so nahm das Projekt Tattoo immer mehr Form an.

Das Motiv war mir schon länger klar, ein Schriftzug mit „No Day But Today“. Seit ich RENT kenne, fühle ich mich von dieser Zeile zutiefst angesprochen und habe sie für mich als Lebensmotto angenommen. Stellte sich als nächstes die Frage nach dem Platz. Ich wollte es gerne auf einer Stelle haben, wo ich es selbst sehen kann, da ist bei mir die Auswahl ja dann schon relativ begrenzt. Ich habe mich also für die Innenseite von meinem rechten Unterarm entschieden. Das ist sowieso eine Stelle, auf der ich gute Schriftzüge ziemlich schön finde, also war auch diese Entscheidung gefallen.

Mit diesen konkreteren Vorstellungen machte ich mich auf die Suche nach einem barrierefreien Studio. Ich habe ein paar in Köln und Bonn angefragt, aber bei den meisten war die Barrierefreiheit nur bedingt gegeben. Irgendwann fiel mir dann ein, dass es hier nur wenige Meter von meiner Wohnung entfernt ein Studio gibt, welches keine Stufen hat. Somit war auch diese Entscheidung getroffen.

Nachdem ich dann auch noch eine Schriftart gefunden hatte, die sehr genau meiner Vorstellung entsprach, ging ich gestern Nachmittag dort vorbei und wollte eigentlich nur einen Termin für in ein paar Tagen ausmachen. Als es dann hieß, ich könne abends wieder kommen und es mir direkt stechen lassen, musste ich erstmal schlucken. Das ging plötzlich ziemlich schnell, aber mit dem Motto „No Day But Today“ in der Hand, nahm ich meinen Mut zusammen und den Termin an.

Den Mut hätte ich gar nicht so sehr gebraucht, denn das Stechen war nicht annähernd so schmerzhaft oder unangenehm, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ehrlich gesagt, war bei mir schon manches Mal Blut abnehmen deutlich schlimmer. Als ich dann endlich das Ergebnis bewundern konnte, war ich einfach nur super glücklich mit meiner Entscheidung und total zufrieden.

Da ihr jetzt bestimmt alle neugierig seid, folgen nun noch ein paar Bilder:

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World Rare Disease Day

Wie ich gerade gelesen habe, ist der letzte Tag im Februar, also der 28. und im Schaltjahr der 29., der Tag der seltenen Erkrankungen. Tori von Our SMAll Adventure hatte die Idee, zu diesem Anlass fünf Fakten über sich zu posten, um damit zu zeigen, dass eine fortschreitende und die Lebenserwartung verkürzende Erkrankung nicht die Lebensfreude beeinflussen muss. Auch wenn meine fünf Fakten sich nur zum Teil von ihren unterscheiden werden, möchte ich mich ihrer Idee anschließen und so vielleicht dazu beitragen, die SMA und andere seltene Erkrankungen bekannter zu machen.

  1. Meine Erkrankung nennt sich Spinale Muskelatrophie (SMA) und ich werde in Typ 2 eingestuft, mehr zur SMA findet ihr hier
  2. Ich werde bald 28 und habe damit der ursprünglichen Prognose meiner Lebenserwartung schon 7 mal getrotzt
  3. Meinen ersten E-Rollstuhl bekam ich mit 4 und der musste (und konnte!) viele Kinderideen und wilde Spiele aushalten – und hey, wer kann in meinem Alter schon behaupten, über 20 Jahre Fahrpraxis zu haben
  4. Im Grundschulalter wurde ich an den Achillessehnen operiert, da ich eine sogenannte „Spitzfußstellung“ hatte. Danach habe ich diese Diagnose immer meinen Barbies gestellt und ihnen empfohlen, andere Schuhe zu tragen
  5. Da ich immer einige Hilfsmittel auf Reisen mitnehmen muss (und ich reise gerne), sieht schon ein Wochenend-Trip wie ein kleiner Umzug aus. Als Anspielung auf den Behördenwahnsinn, dem ich regelmäßig ausgesetzt bin, nenne ich das zusätzliche Gepäck gerne „behinderungsbedingten Mehraufwand“