Wenn man nicht hinter den Schreibtisch passt

Über Barrieren in den Köpfen

Ich habe total lange überlegt, wie ich diesen Beitrag nennen kann, ohne diese abgedroschene Floskel zu nutzen, ich möchte sie aber auch nicht ganz weg lassen, denn es stimmt eben einfach. Und dass es sich bei diesem Ausdruck um eine abgedroschene Floskel handelt, zeigt auch sehr eindrücklich, dass es ein immer noch existentes Problem ist.

Die Geschichte, von der ich heute erzählen möchte, ist schon eine Weile her. Ich hatte es mal wieder gewagt, mich auf einen Job zu bewerben. Grund dafür: die Entfernung zu Daniel. In unregelmäßigen Abständen schaue ich in seiner Umgebung nach interessanten Stellenangeboten und fand zufällig eine Stelle im öffentlichen Dienst, die nach meinem Empfinden 100%ig zu mir und meiner beruflichen Vorerfahrung gepasst hätte. Kurzer Hand bewarb ich mich und wurde schon wenig später zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Im Vorfeld verlief alles sehr gut und freundlich. Ich wurde sogar einen Tag vorher angerufen, dass der Aufzug an der U-Bahn defekt sei und mir wurde erklärt, wo ich einen Behindertenparkplatz finde. Das Gespräch selbst war auch sehr angenehm und auf Augenhöhe. Bei der Begehung des Arbeitsplatzes zeigten sich dann jedoch Probleme. So wie das Büro eingerichtet war, passte ich mit dem Rollstuhl nicht hinter den Schreibtisch. Meine Gesprächspartner begegneten dieser Problematik sehr unbeholfen. Meine Assistentin und ich machten verschiedene Vorschläge, wie man den Tisch umstellen könnte, um mir Platz zu schaffen, die alle aber eher nicht ankamen. Möglicherweise hatten die beiden einfach nicht die „Kompetenz“ über eine andere Einrichtung zu entscheiden, das kann ich nicht beurteilen, es wurde aber auch keine andere Ansprechperson eingeholt oder sonstige Alternativen aufgeführt. Und so verließ ich das eigentlich positive Gespräch mit einem schlechten Gefühl.

Wenige Tage später erhielt ich dann eine Standardabsage, dass es viele gute Bewerber gab und ich leider nicht ausgewählt werden konnte. Aufgrund der Vorgeschichte fragte ich nach, ob ich ein persönliches Feedback bekommen könne. Ich begründete die Anfrage damit, dass es mein erstes Vorstellungsgespräch war, seit ich eine abgeschlossene Ausbildung habe und ich gerne für die Zukunft daraus lernen möchte. Mit keinem Wort ließ ich meine Vermutung durchblicken oder erwähnte eine Benachteiligung durch meine Behinderung.

Die Antwort hat mich in meinem Eindruck dann aber bestätigt, dass ich wegen der Platzproblematik ausgeschieden bin. Es gab genau einen Satz zum Gespräch und in diesem wurde sich für ein freundliches und interessantes Gespräch bedankt. Danach folgten zwei Absätze, die sich lesen wie dreimal durch die Rechtsabteilung geschickt. Zusammengefasst geht es darum, dass natürlich alle gesetzlichen Vorgaben bei Bewerbern mit Behinderung berücksichtigt wurden und die Auswahl allein auf Basis der Qualifikationen erfolgt ist. Dagegen kann man schlecht etwas sagen, denn nur weil ich mich für sehr qualifiziert für die Stelle hielt (und mein Umfeld übrigens auch), müssen die das noch lange nicht genauso sehen.

Zusätzlich verstärkt wurde der bittere Beigeschmack dann jedoch, durch ein eigentlich freundliches Angebot: Erstattung der Reisekosten. Im Vorfeld war ich noch darauf hingewiesen worden, dass Reise- und Übernachtungskosten nicht übernommen werden können und nun, weil ich die Standardabsage nicht geschluckt habe, also doch? Entschuldigung, aber dieses „Angebot“ kommt bei mir eher an wie Schweigegeld. Ich habe es natürlich trotzdem angenommen, denn eine finanzielle Entschädigung hatte ich mir durchaus verdient.